Lofoten 2016, Teil 1

Wikingermuseum in Borg

Montag, 16. Mai

Schlechtes Wetter mit Ansage: meine App hat Schnee und Regen versprochen und dies auch gehalten. Dazu sind heute alle Geschäfte wegen des Feiertages geschlossen. Was bleibt uns also als Option?
Richtig, das Wikingermuseum in Borg hat geöffnet. Aufgrund der in den letzten Jahren erweiterten Ausstellungsräume könnten wir uns in dieser Kulturstätte einen ganzen Vormittag die Zeit vertreiben und sogar noch etwas dabei lernen. Also lösen wir drei Tickets und treten ein in die sagenhafte Welt der nordischen Geschichte. Nach dem Einführungsfilm folgt ein Rundgang mit Audioguide, dessen Erklärungen mitunter doch etwas arg langatmig geraten, so daß selbst dem interessierten Zuhörer gelegentlich die Augen zufallen. Aber im “Mitmach-Teil” des Museums haben wir dafür umso mehr Spaß.
Am Abend kommen zwei ziemlich ausgehungerte Damen aus Bayern als Gäste ins B&B. Da trifft es sich gut, daß wir heute Thai-Curry kochen, was immer für einige extra Portionen gut ist. Dankbar nehmen die Ladies an und freuen sich, daß wir ihnen nach dem Essen noch Tipps für Wandertouren, Unterkünfte & Foto- Spots auf den Lofoten geben können. Später sitzen wir bei ein paar Bier und einer Riesentüte Chips mit dem lustigen Namen Totenflak zusammen und tauschen Reiseanekdoten aus.

 

Blick von Nappskaret Richtung Flakstad

Dienstag, 17. Mai

“Gratulerer med Dagen.” Das hört man heute überall, denn es ist norwegischer Nationalfeiertag. Und da steht die ganze Nation Kopf. Wer keine Vorstellung davon hat, was dann hier abgeht, der stelle sich den rheinischen Straßenkarneval vor, nur mit weniger (zumindest in der Öffentlichkeit getrunkenem) Alkohol und evtl. etwas einheitlicheren Kostümen. Ansonsten herrscht heuer die gleiche Partystimmung wie in Köln am Rosenmontag.
Allein das Wetter könnte die Laune etwas trüben, denn es ist Schnee angesagt, und der kommt auch. In Leknes beginnt es bereits am Morgen zu schneien, weswegen wir uns nach dem Studium des Wolkenfilms auf der Seite des Wetterdienstes für einen Tagesausflug nach Flakstadøya entscheiden. Hier hatten wir in der Vergangenheit oft noch Glück und Sonne. Die Damen aus Bayern riskieren die Tour auf den Berg Offersøykammen – sehr optimistisch, wie uns scheint.
Wir halten auf dem Weg gen Westen das erste Mal an der Kirche in Flakstad, wo wir jedoch die auf einer nahegelegenen Weide abgestellten Kuschelkühe interessanter finden und allein hier hunderte Fotos knipsen. In Ramberg ist die Straße gesperrt, weil gleich der Umzug stattfinden soll. Wir bleiben also stehen und fotografieren das Ganze. Jetzt ziehen auch hier die ersten Schneeschauer durch, die Sicht geht gegen Null – arme Norweger! Zurück nach Vestvågøya, immer vor der dunklen Wand her. Hier reißen die Wolken kurz auf, was wir für letzte Fotos am Strand in Haukland nutzen, bevor auch dieser Ort im Schneeregen untergeht. Ich fahre am späten Nachmittag nochmal allein nach Uttakleiv, will ein letztes Mal die Meeresbrise spüren. Als ich wieder nach Hause komme, kredenzt uns Anne Gerd noch eine Auswahl an selbstgebackenem Kuchen, der wirklich vorzüglich schmeckt. Anschließend packen wir unsere Sachen und nehmen gegen halb zehn Abschied von unserer Gastmama. In Stamsund entern wir das Hurtigruten-Schiff “Midnatsol”, das uns nach Bodø bringen wird. Wir nehmen Platz im großen Salon, wo heute Abend anläßlich des Nationalfeiertages ein Pianist beliebte norwegische Weisen zum Besten gibt.
Robert geht Bier holen und kommt etwas erschrocken zurück. Preise wie im Puff, das Glas für 10 €, großes Kino. Zwei 0,6er Pints sedieren uns soweit, daß wir auch bei mäßigem Seegang schlafen können sollten, derweil sich gegen Mitternacht der Salon leert. Ich kriege natürlich wieder mal kein Auge zu. Robert geht es ähnlich, also ziehen wir uns warme Klamotten über und spazieren eine Runde auf dem Außendeck herum. Bevor wir kurz vor Erreichen des Festlandes in eine gewaltige Regenfront einfahren, gelingt uns noch ein letztes Foto der am Horizont immer kleiner werdenden Lofoten.

Vestfjord

Mittwoch, 18. Mai

Ein neuer Beitrag aus der Kategorie “Irgendwas is’ immer”: In Bodø angekommen, wollen wir zum Flughafen fahren. Am letzten Kreisverkehr davor steht Polizei. “Hier könnt Ihr nicht weiter fahren, Straße gesperrt.” Keine Antwort auf die Frage nach dem Grund, aber wir sehen auch so schon, was hier nicht stimmt. Vor dem Terminal steigt eine dunkle Rauchsäule in den Morgenhimmel und wird dabei von allerlei Blaulicht angeblinkt. Ein am Eingang des Gebäudes abgestellter Lieferwagen brennt gerade aus und wird von einem Spezialtrupp der Feuerwehr gelöscht. Nach einer Stunde ist alles vorbei. Wir können endlich das Auto abstellen und das Terminal betreten.
Draußen schneit es immer heftiger. Während wir im Wartebereich frühstücken, nähert sich uns ein Flughafenmitarbeiter in ungewohnt devoter Haltung. “Wollen Sie heute noch nach Oslo fliegen?” Das unausgesprochene Wort “etwa” in dieser Frage läßt auf ein größeres Problem schließen, und richtig: “Weil uns ab Mai Sommerwetter angekündigt wurde, haben wir letzte Woche das komplette Enteisungsequipment im Hangar verstaut. Die Fahrzeuge kriegen wir schnell wieder startklar, aber die Enteisungsflüssigkeit braucht 18 Stunden, bis sie einsatzbereit ist. Wenn es nicht bald aufhört mit Schneien, kommen Sie heute hier nicht mehr weg.” Gut, daß ich vorgesorgt und einen Ersatzmann ausgemacht habe, den ich im Notfall für meine Nachtschicht heute Abend scrambeln kann.
Aber eine halbe Stunde später geschieht das Wunder. Der Schneefall endet, die Mitarbeiter finden einen heißen Pott Enteiser und unser Flug startet nur moderat verspätet. Der Pilot gibt ordentlich Gas, und in Oslo erreichen wir dank eines Sprints durch das komplette Terminal unseren Anschlußflug nach Frankfurt. Sogar das Gepäck kommt mit. Und so findet unsere Reise in den hohen Norden ein glückliches Ende.

Flughafen Bodø

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