Lofoten 2016, Teil 1

Bodø, Hafen

Bevor ich meine heu­tige Frau gehei­ra­tet habe, konnte ich ihr die Zusicherung abrin­gen, min­de­stens alle zwei Jahre in mein gelob­tes Land fah­ren zu dür­fen. Mittlerweile – ich bin im Bruchrechnen nicht so gut – läuft es dar­auf hin­aus, daß ich zwei mal per annum eine Reise nach Norwegen unter­neh­men kann. Die erste Tour des Jahres 2016 fin­det im Mai statt. Vor 8 Jahren hat­ten mein Kollege Sven und ich um diese Jahreszeit schon ein­mal Glück mit Wetter und Licht und konn­ten einen gan­zen Berg guter Bilder von den Lofoten mitbringen.

Montag, 9. Mai

Diesmal beglei­ten mich mein Freund Micha und Kollege Robert, die eben­falls gerne foto­gra­fie­ren. Mit letz­te­rem sitze ich mor­gens im Auto nach Frankfurt, wo wir den Mittagsflug nach Oslo neh­men wol­len. Unsere Maschine ist wie immer gut gebucht. Dank gün­sti­ger Runway-Kombinationen und per­fek­tem Wind beträgt unsere Flugzeit in die nor­we­gi­sche Hauptstadt nur 1:35 Stunden. Spitzenwert. Am Flughafen tref­fen wir auf Michael, der sei­ner­seits von Berlin Tegel gestar­tet ist. Da wir bis zum Weiterflug noch reich­lich Zeit haben, stat­ten wir der hie­si­gen Filiale von “Peppe’s Pizza” einen Besuch ab. Nicht gerade gün­stig, macht aber für eine ganze Weile satt. Nach einem Kaffee genie­ßen wir drau­ßen vor dem Terminal den Sonnenschein und 22°C Lufttemperatur. Wäre doch schön, wenn das Wetter so bliebe…
Nach der Landung in Bodø wer­den wir in die meteo­ro­lo­gi­sche Wirklichkeit zurück­ge­holt. Das Thermometer ist auf 6°C gefal­len, und die Sonne kann sich der­zeit kei­nen Weg durch die nahezu geschlos­sene Wolkendecke bah­nen. Aber das ist halt Nordnorwegen. Die näch­ste Ernüchterung am Mietwagenschalter: was uns durch den Mitarbeiter von Europcar wie ein Level-Up von der gebuch­ten Golf-Klasse auf die nächst­hö­here Kategorie ange­prie­sen wird, ent­puppt sich lei­der als Downgrade.
Toyota Prius, aber die “+seven”-Edition! Wow, möch­ten wir dazu sagen, kön­nen das aber bereits nach weni­gen Fahrkilometern nicht mehr aus vol­ler Überzeugung tun. Zahnstocherdünner Schalthebel, aber dafür in der Mitte des Armaturenbretts eine pom­pöse elek­tro­ni­sche Infotafel, die leuch­tet wie Las Vegas bei Nacht. Dazu pene­tran­tes Piepen in allen mög­li­chen Situationen, so daß man stän­dig das Gefühl bekommt, gerade wie­der irgend­et­was falsch gemacht zu haben.
Erste Lebensmittel wer­den ein­ge­kauft, bevor wir zum Abendessen an den Saltstraumen fah­ren. Jawoll, mal wie die Penner unter einer Brücke Tütensuppe aus dem Campingkocher essen. Michael gibt den Chef de Cuisine, wäh­rend Robert und ich den enor­men Gezeitenstrom mit sei­nen vie­len tücki­schen Strudeln beob­ach­ten. Wenn man hier rein­fällt, nüt­zen einem auch die besten Schwimmkenntnisse nix, da hilft nur ein schnell und gut platz­iert gewor­fe­ner Rettungsring…
Auf der Rückfahrt nach Bodø haben wir Glück und kön­nen eine am Straßenrand her­um­lun­gernde Elchgang foto­gra­fie­ren, die sich durch unsere Anwesenheit nicht im Geringsten stö­ren läßt. Weiter geht die Fahrt zum Hafen, wo kurz nach Mitternacht unsere Fähre auf die Lofoteninsel Moskenesøya able­gen soll. Wir haben jedoch noch ein wenig Zeit, die wir für einen Spaziergang durch den Yachthafen nut­zen. Und siehe da: die Wolkendecke reißt auf, und die Sonne kommt doch noch ein­mal her­aus. Na also, das wird doch!
Die M/​S “Landegode” tuckert gemäch­lich heran, mitt­ler­weile ist blaue Stunde und wenig Betrieb im Hafen. Gerade mal eine Handvoll Autos fah­ren in den Bauch der üppig dimen­sio­nier­ten Fähre ein. Wir gehen hoch in den Salon und machen es uns auf den Bänken bzw. in den Sesseln bequem, so gut es geht. Micha und Robert sind etwa eine Stunde nach dem Ablegen schon tief und fest am Ratzen, ich freue mich jedoch zu sehr auf den Urlaub und kann des­halb nicht schla­fen. Lieber nutze ich die Stunden an Bord sinn­voll und gehe öfter raus an Deck, um die fri­sche Seeluft und den rau­hen Wind zu genie­ßen. Um diese Jahreszeit geht die Sonne nicht mehr ganz unter, und irgend­wann kom­men auch die Lofoten am Horizont in Sicht. Ich schnappe meine Kamera und mache ein paar erste Aufnahmen der Inselkette, bevor ich mich auch noch für eine halbe Stunde in mei­nen Sessel zum Schlafen lege.

Vestvågøya im ersten Morgenlicht

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