Lofoten 2016, Teil 1

Reinefjord

Mittwoch, 11. Mai

Das Wetter soll heute wieder nur “mittelbombe” werden, sagt uns die App des norwegischen meteorologischen Instituts.
Damit hat sie meistens Recht. Schlechtes Wetter? Die Prognose stimmt immer. Nur mit dem Sonnenschein hapert’s noch ein wenig. Da müssen die Programmierer wohl nacharbeiten. Macht nix, schlafen wir halt etwas länger und lassen uns beim Frühstück reichlich Zeit. Die Wolken laufen uns schon nicht weg.
Wir nutzen den bedeckten Himmel für einige Langzeitbelichtungen direkt hinter unserem Haus. Vom felsigen Ufer blickt man nach Norden in den Reinfjord hinein. Das kann man sogar als Motiv durchgehen lassen, falls die ersten Versuche direkt was werden. Nach einer knappen Stunde haben wir einen ganzen Sack Bilder fertig, die wir über Mittag auswerten. Mittlerweile regnet es auch wieder, da verpassen wir also nicht allzu viel. Nach einem kleinen Lunch beschließen wir, wegen des angekündigten Dauerregens zum Freilichtmuseum nach Å zu fahren. An diesem Ort wurde ein typisch norwegisches Fischerdorf der Jahrhundertwendezeit restauriert und die Innenräume der Häuser in den Originalzustand zurückversetzt – mit entsprechender Einrichtung und Dekoration. Hier sollte es also drinnen und draußen genug taugliche Motive geben. Der Eintritt ist mit 8 Euro vergleichsweise human, wenn man mit einrechnet, daß wir heute das gesamte Areal fast für uns alleine haben. Das ist das Gute an der Vorsaison: die ganzen lästigen Touristenmassen sind noch zu Hause und versauen einem nicht die Aufnahmen. Von den leeren Straßen mal ganz zu schweigen…
Tatsächlich bieten gerade die Funktionsgebäude wie Post, Sägewerk und Schmiede allerlei Gelegenheit für lustige Bilder. Aber auch sonst ist die Anlage sehr fotogen, weswegen wir hier deutlich mehr Zeit verbringen als ursprünglich gedacht. Am späten Nachmittag fahren wir wieder zurück nach Reine, um zu sehen, ob die Sonne nicht vielleicht doch…? Nein. Natürlich nicht. Es regnet immer noch. Beim Einkauf fürs Abendessen im örtlichen Coop-Markt entdecken wir in einem Regal für norwegische Winkelemente (zum bevorstehenden Nationalfeiertag) das Wort des Tages: “Liten Pumpetute” – das steht für eine kleine handbetriebene Hupe. Wir beömmeln uns noch den ganzen Urlaub über dieses schöne Wort.
Robert will nach anderthalb Tagen Fertig-Nahrung heute etwas Gesundes zu Abend essen und greift sich eine Tüte asiatisches Wokgemüse, während Micha und ich nochmal TK-Pizza nehmen. Geht man nach dem Geruch beim Zubereiten der Mahlzeiten, würde ich sagen: so richtig lecker ist das, was Kollege Hantzsche da in sich hinein mümmelt, auch nicht gerade. Aber mit Bier herunter gespült geht es eigentlich.
Weil wir morgen Mittag schon wieder weiterreisen müssen, will ich den letzten Abend noch für einige Bilder vor Ort nutzen. Ich habe in diversen Foto- und Reiseforen immer wieder dieselbe eine Aufnahme gesehen, die direkt von der Brücke vor Hamnøy gemacht wurde. Sie enthält alles, was typisch für die Lofoten ist, auf engstem Raum: Berge, Wasser, rote Hütten auf Stelzen und natürlich die Trockengestelle für den Stockfisch. So ein Bild will ich auch. Egal, wie viele Millionen Versionen es davon schon gibt. Also Kamera samt Zubehör gepackt und los geht’s.
Robert kommt gleich mit. Micha will erst noch ein paar Emails schreiben, aber der findet uns schon. Ist ja alles recht übersichtlich hier. Nach wenigen Minuten Fußweg haben wir die optimale Stelle für das “Klischeebild” gefunden und bauen unser Equipment auf. Mit dem Graufilter dauert die Aufnahme eines Fotos bis zu 5 Minuten, so daß hier reichlich Zeit verstreicht. Aber eins kann auch eine Langzeitbelichtung nicht ausgleichen: fehlende Sonne, weshalb ich nicht so recht zufrieden mit meinen Bildern bin und mir einen besseren Standort suche. Diesen finde auf einem kleinen Felshügel neben der Straße. Toller Blick auf Reine, Å im Hintergrund – das taugt was. Zwischendurch komme ich mit einem älteren Ehepaar aus Australien ins Gespräch, die hier ebenfalls im Urlaub sind und unser Tun interessiert beobachtet haben. Gegen 23 Uhr bauen wir unsere Ausrüstung wieder ab und gehen zurück ins Hauptquartier, um die Fotos auszuwerten. Außerdem will ich der What’sApp-Gruppe der Daheimgebliebenen noch die “Top-Five-Fotos” des Tages schicken.

Reine

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