Lofoten 2016, Teil 1

Blick vom Smørdalskammen Richtung Leknes

Sonntag, 15. Mai

Für heute sieht die Wettervorhersage ganz okay aus, aber ich traue dem Braten nicht so recht. Daher lasse ich Anne Gerd bei ihrer Freundin Eva, die seit 40 Jahren hier wohnt, nachfragen, wo man ihrer Erfahrung nach heute am besten wandern kann. Der Rat der Einheimischen lautet: “Bleibt am besten auf dieser Insel.” Machen wir.
Vor der Reise habe ich meine Trekking-App mit über 30 Routen gefüttert. Darunter befindet sich auch eine relativ kurze zum Berg Offersøykammen, dessen bügeleisenartige Form uns bereits in den vorangegangenen Tagen aufgefallen war. Unsere Herbergsmutter rät ebenfalls zu dieser Tour, an deren Endpunkt man eine großartige Aussicht über die Insel Vestvågøya hat.
Wir parken unser sogenanntes Auto unterhalb der E10 und finden sofort den Einstieg in den gut ausgetretenen Pfad. Dieser schlängelt sich im ersten Viertel durch Birkenunterholz und steigt sofort recht steil an, so daß wir bereits nach wenigen Minuten ordentlich ins Schwitzen kommen. Nach etwa 100 Höhenmetern endet die Vegetation, ab jetzt haben wir auf dem gesamten Weg nach oben einen herrlichen Ausblick auf Leknes und Umgebung. Nochmals nimmt die Steigung zu, und es wundert mich immer wieder, wenn uns Leute in Laufklamotten begegnen oder überholen, mit welcher Leichtigkeit sie diesen Berg hoch und runter rennen. Irgendwann sind wir dann endlich oben auf dem Gipfel und können den schönen Rundblick bei Schokolade und Schnaps eine Zeitlang genießen, bevor der Wind wieder unangenehm kalt wird. Ich schaue auf meine App: 436 Meter Höhe, bei gerade mal 1,2 Kilometern Wegstrecke – ein ganz ordentlicher Anstieg also. Einige Fotos mit der kleinen Knipskiste werden noch geschossen, dann treten wir den Rückweg an. Über dem Meer braucht sich nämlich schon wieder Unheil zusammen.
Unten angekommen, ziehen auch direkt dunkle Regenwolken auf. Wir entscheiden uns daher für die Taktik der vergangenen Tage, der Sonne hinterher zu fahren, was uns wieder Richtung Nordosten führt. Heute legen wir die längste Tagesstrecke zurück, denn wir müssen bis nach Laukvik auf der Insel Austvågøya, bevor das Wetter wenigstens einigermaßen brauchbar wird. Von Sonnenschein ganz zu schweigen, denn den gibt es nur weit draußen auf dem Meer. Ungerecht!
Aber auch die tiefhängende Bewölkung hat ihren Reiz. Mit meinem Teleobjektiv kann ich den auf der Nachbarinsel Gimsøya gelegenen Berg Hoven in geradezu surrealer Beleuchtung auf Speicherkarte bannen.
Ansonsten gibt Laukvik fotografisch nicht viel her. Darum fahren wir weiter auf der Küstenstraße bis nach Grunnfør, wo der schicke Holzpavillon und “Rolfs Bar”, eine aus Strandgut errichtete Chillout-Hütte, auf uns warten. Das wäre dann auch gleich ein guter Platz fürs Abendessen aus dem Campingkocher. Noch hält das Wetter, also ‘beackern’ wir zunächst mit unseren Kameras die Strandbar. Hier entdecken wir jedes Mal etwas Neues, denn diese Location wird permanent erweitert und mit allerlei Krimskrams ausgestattet. Sogar eine kleine Bibliothek gibt es mittlerweile. Während Michael und Robert noch ein paar arrangierte Fotos planen, ziehe ich mich mit dem Kocher schon mal ins rundum verglaste Obergeschoß des Pavillons zurück, um das Dinner vorzubereiten. Heute auf der Speisekarte: Asia Nudel Snack (hot) und als zweiter Gang eine cremige Kartoffel-Lauch-Suppe.
Wir lassen uns Zeit beim Essen, denn mittlerweile regnet es wieder. Hier können wir fotografisch nicht mehr viel ausrichten, weshalb wir die Rückfahrt antreten. Gute zwei Stunden sind es bis nach Stamsund. In dieser Zeit kann sich das Wetter auch komplett ändern, und möglicherweise finden wir unterwegs noch das ein oder andere Motiv.
Wieder auf “unserer” Insel angekommen, scheint es mir, daß sich an der Nordmeerküste ein Wolkenloch gebildet hat. Also versuchen wir unser Glück und fahren nach Unstad, wo am Strand die coolen grünen Steine herumliegen. Das Licht ist nicht ganz optimal, aber mit viel Geduld gelingt mir wenigstens ein brauchbares Foto.

Unstad, Strand

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8

image/svg+xml

Menü