Lofoten 2016, Teil 2

Flughafen Oslo

Nach dem gro­ßen Erfolg der bei­den vor­an­ge­gan­ge­nen Papa-Sohn-Urlaube fin­det in die­sem Sommer die näch­ste Jungstour statt. Auf Johannes Wunsch geht es wie­der nach Nordnorwegen, aller­dings ist dies­mal der Weg das Ziel. Das bedeu­tet, daß wir uns sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg viel Zeit unter­wegs ein­ge­plant haben. Wir ver­brin­gen eine Woche bei Anne Gerd auf den Lofoten, und unsere Heimreise endet direkt im Familienurlaub an der Ostsee.

Samstag, 16. Juli

Kleine Rückblende: Da ich frü­her mit mei­nem eige­nen Dad eigent­lich kaum irgend­wel­che Vater-Sohn-Reisen unter­nom­men habe, besteht eins mei­ner unge­schrie­be­nen Ziele darin, wenig­stens ein­mal in jedem Jahr einen Urlaub mit einem der bei­den Kinder allein zu ver­brin­gen. Durch die gemein­same und unge­störte Zeit mit­ein­an­der wer­den die durch Schichtdienst und Wochenendarbeit gelocker­ten Bande zwi­schen uns wie­der gefe­stigt. Bevor im näch­sten Jahr Paulas Debüt ansteht, durfte sich Johannes 2016 noch ein­mal was wünschen.
Es sollte wie­der Norwegen wer­den, darin waren wir uns schnell einig. Weil mein Sohn mir seit gerau­mer Zeit damit in den Ohren lag, unbe­dingt noch ein­mal eine Nacht auf einem Schiff schla­fen zu wol­len, stand ebenso schnell der grobe Reiseverlauf fest. Die Hurtigruten waren also schon mal gesetzt, aber viel­leicht wäre durch die zeit­li­che Lage unse­res Familienurlaubs an der Ostsee, direkt im Anschluß an diese Reise, noch etwas mehr drin? Es gibt doch die täg­li­che Fährverbindung von Oslo nach Kiel. Damit hät­ten wir ein ech­tes Highlight am Ende der Tour. Meine Frau Melanie gab grü­nes Licht, und danach konnte die Planung für die Tour beginnen.
Zurück im Hier und Heute: Es ist Samstag Mittag, erster Ferientag, herr­li­ches Sommerwetter. Johannes und ich haben uns eben vor der Sicherheitskontrolle im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens von unse­ren Mädels ver­ab­schie­det, wobei ein paar Tränen über die Wangen gekul­lert sind. Aber das ken­nen wir schon. Kaum befin­den wir uns auf dem Weg zum Abflug-Gate und die ersten gro­ßen Flugzeuge sind durch die Fenster zu sehen, ist der kurze Abschiedsschmerz schon wie­der ver­ges­sen. Flug SAS 4756 bringt gleich uns zu unse­rem ersten Etappenziel Oslo. Man merkt sofort, daß die Sommerferien begon­nen haben. Ganz pünkt­lich kön­nen wir nicht ein­stei­gen, weil unsere Maschine, die eben erst aus der nor­we­gi­schen Hauptstadt ankam, zunächst eine ganze Weile auf eine freie Parkposition war­ten mußte. Aber uns ist das egal. Heute müs­sen wir kei­nen Anschlußflug mehr krie­gen, denn wir ver­brin­gen eine Nacht am Flughafen Gardermoen, bevor es mor­gen mit dem ersten Flug nach Bodø weitergeht.
Wir freuen uns über den rasan­ten Start (Rolling Takeoff von Runway 25C) und – zumin­dest ober­halb der Wolken – Fernsicht bis zum Nordpol. Johannes darf ein wenig am Handy spie­len, wäh­rend ich mich mit Musik von Kari Bremnes inner­lich auf den Urlaub ein­stimme. In Oslo ange­kom­men, holen wir zunächst unser Gepäck und fah­ren anschlie­ßend mit dem Shuttlebus zum Hotel „Runway”, des­sen Name schon alles über seine Lage sagt. Johannes zuliebe habe ich ein Zimmer mit Blick auf die Piste 01L gebucht. Nur zwei­hun­dert Meter Luftlinie sind es bis dort, würde ich schät­zen. Allerdings hat mein Sohn dafür gerade kein Auge, son­dern muß vom Sofa aus erst ein­mal eine Landemeldung an die Daheimgebliebenen abset­zen. Ich mache mich kurz frisch, und eine halbe Stunde spä­ter sind wir bereits wie­der auf dem Weg nach unten in die Lobby. Dort hat Joe eben beim Check-In eine Tischtennisplatte ent­deckt, an der wir uns die Zeit bis zur Abfahrt des Flughafenshuttles ver­trei­ben. Unser Plan: mit dem Raketenzug ins Stadtzentrum fah­ren, am Hafen mal nach­se­hen, ob da irgend­wel­che Kreuzfahrtdampfer her­um­lie­gen und dort irgendwo zu Abend essen. Insgeheim hofft Johannes auf ein Megaschiff der Oasis-Klasse, nach­dem wir 2011 das Original „Oasis of the Seas”, damals das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, wegen sei­ner Laufunlust ver­paßt haben. Worüber er sich in regel­mä­ßi­gen Abständen immer mal wie­der ärgert. Heute tref­fen wir immer­hin auf die „Mein Schiff 1”, die vor der Festung Åkershus ange­legt hat. Ist natür­lich kaum ein adäqua­ter Ersatz, aber bes­ser als nix. Wir strom­ern noch ein wenig durch die histo­ri­sche Burganlage mit Meerblick in bester Citylage, bevor wir uns auf die Suche nach einem Restaurant machen.
Lieber nix ris­kie­ren, lau­tet das Motto, und darum gehen wir nur ein paar Schritte hin­über zur Ausgehmeile Åker Brygge. Heute lan­den wir im „TGI Friday’s”, einer Burgerbude der geho­be­nen Preiskategorie direkt am Fährkai. Sonnenschein und ein Outdoor-Tisch in erster Reihe mit Aussicht auf den Hafen ent­schä­di­gen etwas für das umge­rech­net 66 € große Loch, das zwei Hamburger mit Pommes, ein Salat und zwei Cola in unse­rer Reisekasse hin­ter­las­sen. Norwegen eben.
Nach dem Essen klap­pern wir noch die vie­len umlie­gen­den Souvenirläden ab, wer­den aber trotz aus­gie­bi­ger Suche nicht fün­dig. Überall gibt es den sel­ben Mist wie eh und je. Auf dem Rückweg zum Hauptbahnhof fal­len mir die vie­len Bettler auf. Der Flüchtlingsstrom aus Südosteuropa hat auch der nor­we­gi­schen Hauptstadt Narben ins einst so rosige Antlitz gekratzt. Ganze Zigeunerclans bela­gern die große Treppe vor dem Bahnhof, machen die Passanten an und hin­ter­las­sen hau­fen­weise Müll. Sehr unschön. Aber was soll’s – wir sind ja nur auf der Durchreise hier. Der Zug zurück zum Flughafen fährt alle 10 Minuten, so daß man nie lange war­ten muß. Gegen 22 Uhr sind wir wie­der im Hotel. Leider ist die Tischtennisplatte belegt, darum zie­hen wir uns nach einem Drink an der Bar in unser Zimmer zurück. Morgen müs­sen wir zei­tig raus.

‘Mein Schiff 1’ an der Festung Åkershus

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