Lofoten 2016, Teil 1

Strand bei Fredvang

Donnerstag, 12. Mai

Normalerweise amüsiert sich Micha immer über mein Lieblingsfotomotiv “weißes Haus vor Berg”, aber hier paßt es ganz gut, um zu illustrieren, unter welchen Bedingungen die Bilder dieser Reise entstehen. Über Nacht hat es geschneit, die Gipfel sind mit einer frischen Puderschicht überzogen. Die Wolken hängen tief, da können wir uns das Fotografieren wohl abschminken. Nach der Reinigung unserer Hütte brechen wir auf Richtung Osten – nach Stamsund auf Vestvågøya, wo wir die nächsten Tage in Anne Gerd’s Bed & Breakfast verbringen werden.
Die Nordost-Ecke von Moskenesøya mutet bei Sonnenschein wie ein tropisches Inselreich an: breite weiße Strände und flache Buchten mit türkisfarbenem Wasser. Was es heute unter dem bewölkten Himmel hermacht, wollen wir bei einer kurzen Küstenwanderung herausfinden. Sie führt uns von Vestresand nach Mulstøa – einer Grillhütte an der Nordspitze unserer Insel. Einen vorgefertigten Pfad gibt es wie so oft nicht, aber die Richtung ist ja ohnehin klar. Nach einer halben Stunde erreichen wir die Bucht. Wenn der Wind etwas nachläßt, kann es auch hier im hohen Norden ganz schön warm werden, umso mehr, wenn man sich bewegt. Was bei Wanderungen ja oft der Fall ist.
Unten in der geschützten Bucht liegt jede Menge Seetang, der wegen seiner Farbe nicht nur als Fotomotiv, sondern aufgrund seiner offensichtlichen Frische auch als Snack taugt, wie Robert nach einem Probierhappen feststellt. Wie er da so kauend auf einem Felsen inmitten des Tangs hockt, erinnert er Micha an die Filmfigur “Creature from the Black Lagoon”, die auch gleichzeitig Namensgeber eines der beliebstesten Flipperautomaten aller Zeiten ist. Also wird Robert mit weiterem Glibberzeugs ausgestattet und stellt sehr authentisch den Landgang der Kreatur nach, was in mir jedoch eher die Assoziation zu Nessie, dem schottischen Seemonster weckt.
Auf dem Rückweg klart das Wetter auf. Ab und an scheint die Sonne für einige Minuten durch, was wir sofort für Fotos der Strände nutzen. Auch dem nahegelegenen Friedhof mitsamt seiner hübschen grünen Holzkapelle statten wir einen kurzen Besuch ab. Aber der Ort gibt heute insgesamt nicht allzu viel her. Also geht’s weiter nach Osten. Wir erhalten eine Nachricht von Anne Gerd, daß sie noch ein paar Dinge erledigen muß und erst später als ursprünglich geplant zu Hause sein wird. Wir nutzen die Verzögerung und schieben einen kurzen Abstecher zum Storvatnet und nach Nusfjord ein. Leider regnet es erneut, und wir drehen sofort wieder um. Bei der ersten Gelegenheit auf Vestvågøya biegen wir von der Hauptstraße ab und fahren zu den Stränden Haukland und Uttakleiv. Hier ist das Wetter zwar gut, aber das Licht noch nicht fototauglich. Da müssen wir später nochmal hin.
Mittlerweile hat sich Anne Gerd nochmal gemeldet und ein Estimate ihrer neuen Ankunftszeit daheim durchgegeben. Wir packen unsere Sachen und fahren ins B&B, um sie zu begrüßen und unsere Zimmer zu beziehen. Große Freude kommt auf, als wir uns wiedersehen. Das Beste aber ist, daß sie uns was Warmes zum Abendessen kocht. Spaghetti mit Hackfleischsauce “Nordic Style”, das heißt mit Sahne, Preiselbeeren, selbstgesammelten Pilzen und Kräutern aus dem Garten. Und dazu ein großer Salat. Endlich wieder was Frisches! Ich bin überglücklich, denn genau das habe ich gebraucht. Das Ganze wird gekrönt von der herrlichen Aussicht über den See Storfjordvatnet, der direkt hinter dem Haus liegt.
Über dem Bergkamm Hagskaret glaube ich zu erkennen, daß die Wolken heller und gelegentlich von der Sonne angestrahlt werden. Wir fahren deshalb mit unserer Fotoausrüstung noch einmal zum Strand nach Uttakleiv, wo uns im Abendlicht einige der schönsten Bilder des Urlaubs gelingen. Heute sind auch nicht so viele andere Fotografen da, wie ich das sonst erlebt habe, wenn hier wahlweise die Workshops “Nordlichter für Dummies” oder “Mitternachtssonne mit Elektroschrott knipsen” (für Nikon-User) die Szenerie vollstellen. Wieder macht sich mein Graufilter bezahlt und sorgt für herrlich verschleierte Wellen sowie dramatische Wolken. Den Abschluß des Tages bilden wie immer ein Feierabendbier und das Betrachten der Ausbeute an Fotos auf dem heimischen Laptop. Ist gar nicht mal so wenig. Die 5 besten Fotos von heute werden noch schnell an die Lieben daheim verschickt, und danach gehe ich – wie immer weit nach Mitternacht – ins Bett.

Uttakleiv

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