Lofoten 2016, Teil 1

Wanderung zum Nubban

Freitag, 13. Mai

“Das war ja zu erwarten.” – Der Blick auf die soeben upgedatete Seite des norwegischen Wetterdienstes verheißt für heute mäßige Bedingungen für jede Art von Outdoor-Aktivitäten. Eventuell soll es am Nachmittag noch mal aufklaren, aber ich bin bei solchen optimistischen Ankündigungen eher skeptisch. Wir werden ja sehen.
Nach dem Frühstück fragt uns Anne Gerd, ob wir nicht Lust hätten, zusammen mit ihr und ein paar Damen des lokalen Wandervereins eine kleine Tour zum nahegelegenen Berg Nubban zu unternehmen. ‘Klar’, sagen wir, und eine halbe Stunde später fahren wir zum Startpunkt an der Gärtnerei in Stamsund. Hier treffen wir Eva, die ich schon von früheren Urlauben kenne und Wenke, die erst vor kurzem zu der Wandergruppe dazugestoßen sein soll.
Es geht zunächst durch an Thüringen erinnernden Waldbestand sanft bergauf, bevor wir den Fuß des Myklevikaksla erreichen. Hier beginnt dann wieder das übliche Gekraxel durch lichte Birkenvegetation. Eine halbe Stunde später stehen wir in 240 Metern Höhe und genießen die erste Aussicht Richtung Henningsvær und zum Festland. Nun schließt sich ein etwas flacheres Stück über die Bergrücken Nordheia und Sørheia an, bevor der nächste Anstieg zum 370 m hohen Nubban führt. Hier machen wir eine kurze Rast samt Beweisfotos. Bei passablem Wetter könnte man unsere Tour zu einer kompletten Runde über den Grat Mangfallet erweitern. Diese speziell von Robert sehr begehrte Extension müssen wir aber wegen des starken Windes und des stellenweise verschneiten ausgesetzten Gipfelpfades absagen. Vielleicht beim nächsten Urlaub. Ist ja nicht mehr so lange hin, bereits im Juli bin ich mit Johannes schon wieder hier.
Anne Gerd will heute Abend für alle Wanderer kochen. Wir beeilen uns deshalb bei unserem kleinen Lunch zu Hause und brechen zügig zu einer weiteren Nachmittags-Fototour auf. An der Nordseite unserer Insel haben wir eben vom Berg aus ein ziemlich stabiles Schönwetter-Gebiet ausmachen können, da fahren wir mal hin. Eigentlich wollte ich mit den Jungs nach Unstad und Eggum, aber dort ist mittlerweile wieder eine große Regenwolke stationiert. Also lassen wir beide Orte links liegen und jagen dem “blauen Loch” hinterher, was uns auf die Insel Gimsøya führt.
Da die Wolken mittlerweile wieder in Bewegung gekommen sind, bleibt uns aber auch hier nur ein relativ kurzes Zeitfenster zum Fotografieren, bis uns ein fetter Regenschauer einholt. Immerhin schaffen wir vorher am Hafen in Hovsund noch einige nette Aufnahmen der Mole und des Leuchtturms. Robert steuert ebenfalls wieder ein paar Dateien zum gemeinsamen Bilderpool bei, und auch das Titelfoto des Buches entsteht hier. Auf dem Rückweg zum Auto müssen wir schon rennen, da die Regenfront mit beachtlicher Geschwindigkeit herangerauscht kommt. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig.
Eine alte Lofoten-Wetter-Regel besagt, daß, wenn auf der einen Seite der Inseln die Welt untergeht, es auf der anderen dennoch ganz schön sein kann. Wir versuchen unser Glück und bekommen auf der Rückfahrt entlang der dem Festland zugewandten Küste von Vestvågøya eindrucksvolle Wolkengebilde über den Bergen zu sehen.
Allerdings haben wir jetzt keine Zeit mehr zu verlieren, denn bereits in Kürze erwartet uns ja das Dinner mit den Damen des Wandervereins. Eine Komplettrenovierung unserer selbst schaffen wir nicht mehr, nur noch schnell “kurz frischmachen”, Zivilklamotten an und dann zu Tisch. Gut, daß wir heute Nachmittag in Leknes im Vinmonopolet waren und eine passende Flasche Pfälzer Wein mitgenommen haben, sonst hätte ich jetzt ernsthaft ein schlechtes Gewissen, weil sich unsere Gastmama mit dem Essen so richtig ins Zeug gelegt hat. Es gibt Serranoschinken mit Honigmelone und Ziegenkäsesalat als Vorspeise, als Hauptgang Hähnchenschenkel mit Rosmarin-Kartoffeln und Salat, zum Dessert selbstgemachtes Eis mit Beeren.
Nach dem Festmahl mitsamt dem obligatorischen “Verteiler” aus dem Hause Anselmann-Erben sitzen wir noch eine Weile zusammen, aber die Gäste brechen relativ früh wieder auf. Anne Gerd muß auch noch etwas erledigen, und so bleibt uns drei Jungs reichlich Zeit für eine weitere Vertiefung unseres Wissens, speziell auf dem Gebiet der in Canon-Kameras verwendeten Autotofokus-Technologie und ihrer optimalen Anwendung. Ich sage nur: “Live View”!

Hovsund, Mole

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