Wintertour 2019

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Langlauftour zwischen Kabelvåg und Svolvær

Montag, 25. März

Holla, das sieht aber mal nach feinstem Winterwetter aus! Der Blick aus dem Panoramafenster läßt Freude aufkommen: Sonnenschein, glattes Wasser und die Temperatur knapp unter dem Gefrierpunkt. Ideale Bedingungen also für eine erste kleine Skitour in der Umgebung.ALT Da wir gestern keine Lust mehr zum Einkaufen hatten, frühstücken wir heute morgen auswärts – in der Bäckerei Kringla, nur drei Minuten Fußweg von unserem Appartement entfernt. Große, üppig belegte Sandwiches sind die Spezialität des Hauses. Die stellen eine solide Nahrungsgrundlage fürs spätere Langlaufen dar.
„So, Leute – Essensaufnahme abschließen!“, halte ich die Gruppe von allzu ausgedehntem Geschlemme ab. Denn wer weiß schon, wie lange die Bedingungen für Wintersport hier oben so gut bleiben? Wir ziehen uns um, packen unsere Ausrüstung ins Auto und fahren nach Kabelvåg. Abgesehen davon, daß sich dort die nächstgelegene gespurte Loipe befindet, möchte Gert sich die Berge in der Umgebung dieses Ortes genauer ansehen. Morgen will er dann dort auf eine Skitour gehen. Das umliegende Gelände ist gut zugänglich, bietet laut Internet-Recherche einen leichten Schwierigkeitsgrad und sollte somit ideale Bedingungen für den Anfang bieten.
Wir wollen von Kabelvåg aus Richtung Svolvær, zum Store Kongsvatnet laufen, wo die präparierten Strecken enden bzw. beginnen. Die ersten Loipenkilometer sind strenggenommen eigentlich keine, denn hier ist noch nix gespurt. ALT In den vergangenen 48 Stunden hat es ordentlich geschneit, und der Pistenbully mit dem Loipen-Bügelseisen beginnt eben erst seine Arbeit am anderen Ende der Strecke. Ich habe vor der Reise eine App namens „Skisporet.no“ auf meinem Handy installiert, da wird bei vielen Langlauf-Arealen sogar die aktuelle Position der Spurmaschinen angezeigt.
Aber auch ohne vorbereitete Tracks macht es Spaß, hier zwischen den Bergen und dem Meer herumzufahren. Wir kreieren uns einfach unsere eigene Loipe, wie schon 2018 im Tromsdalen. Alle Nase lang müssen wir Fotohalte einlegen, denn nicht nur ich, sondern auch Kathrin hat ständig die Kamera bzw. das Handy griffbereit. An der ersten nennenswerten Steigung wird sogar gleich gefilmt. Am oberen Ende dieses steileren Abschnitts lädt eine Sitzbank mit netter Aussicht auf die nun hinter uns liegende Küste zu einer kleinen Rast ein. Wir pausieren kurz, um den Puls wieder runter zu bekommen, essen und trinken eine Kleinigkeit, und schon geht’s weiter.
Die Abfahrt auf der anderen Seite des kleinen Bergsattels ist ganz schön steil, wie die vorausfahrende Familie Hofer am eigenen Leib zu spüren bekommt, indem sie sich in der ersten Kurve ungewollt ein paar Meter in den Wald absetzt. Aber zum Glück ist nix passiert, der Schnee wird abgeklopft und unsere Tour fortgesetzt. Ab hier können wir den älteren Spuren anderer Läufer folgen. An der nächsten Abfahrt ins Tal von Osan, einem Randbezirk von Svolvær, kommt uns die Pistenraupe entgegen.ALT Sie hat gerade den Rundkurs um den See Lille Kongsvatnet fertiggestellt und biegt nun vor uns ein.
Das letzte Stück ist ein Stichweg zu einem kleinen Wasserkraftwerk am größeren der zwei Königsseen. Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir das Ende der Sack­gasse. Die Raupe wendet dort gerade, und wir nutzen die Gelegenheit für eine weitere Snack- und Fotopause am Wegesrand.
Dank der frischen Spur geht unser Rückmarsch deutlich schneller vonstatten, und wir erreichen den Ausgangspunkt der Tour am frühen Nachmittag. Gert als alter Kuchenfreund stellt jetzt nach einem kurzen Blick auf die Armbanduhr fest, daß eine gute Zeit fürs Kaffeetrinken sei. Aber direkt um die Ecke kenne ich außer der mauen Waffelbude im Meeresaquarium leider nichts. Wir fahren also mit dem Auto los und werden in Henningsvær, im „Lofoten Arctic Hotel“ fündig. Die Auswahl an Kuchen ist groß, und auch die Kaffeespezialitäten können sich sehen lassen.
Das Wetter ist zwar nicht mehr so schön wie heute vormittag – am Himmel ist Grau die dominierende Farbe – aber immer noch gut genug für einen kurzen Spaziergang zum kleinen Leuchtturm und zum Hafen. Die vielen Stockfischgestelle geben dankbare Bildmotive im diffusen Nachmittagslicht ab. Eine halbe Stunde später können wir diesen Programmteil beenden.ALT Noch dämmert es nicht einmal, da drehen wir als Zugabe eine schnelle Runde um Gimsøya, die kleinste Insel der Lofoten. Am Friedhof mit der fotogenen weißen Holzkirche erfolgt der erste Halt. Hier kann man sich fotografisch – zumindest bei schönem Wetter – so richtig austoben. Aber ich muß zugeben: Auch die heutige Lichtstimmung hat was, nur mangelt es derzeit ein wenig an Kontrasten für schöne Bilder. Nach ein paar Minuten geht es weiter Richtung Golfplatz, zum Berg Hoven und dem dazugehörigen Fischerdorf Hovsund und schließlich quer durch die Inselmitte in Richtung Hauptstraße und zurück nach Svolvær.
Heute abend gibt es Selbstgekochtes, um später flexibel zu sein, falls sich doch noch Polarlichter ankündigen sollten. Der Himmel klart wieder etwas auf, das könnte also was werden. Und siehe da: kaum haben wir das Essen beendet und das erste Glas Wein geleert, piept meine Aurora-Warn-App. Sie kündigt sichtbare Nordlichter innerhalb der nächsten ein bis zwei Stunden an. Weil wir jedoch alle schon Alkohol getrunken haben, müssen wir unser Glück in der Nähe versuchen und laufen hinüber zur vorgelagerten Insel Svinøya – im Stadtgebiet von Svolvær die beste Option.
Bislang ist alles ruhig am Himmel. Wir haben also noch genug Zeit, uns eine möglichst dunkle Stelle zu suchen, damit die Fotos später nicht durch zu viel Streulicht versaut werden.ALT Darum wird erst mal ganz nach hinten zur Mole und zur Statue der Fischersfrau gelaufen. Leider liegt die in südwestlicher Richtung und bietet damit kaum eine Chance auf Auroren direkt über der Skulptur. Dazu müßten aber überhaupt erst einmal welche zu sehen sein. Wir warten etwa zehn Minuten und spazieren dann langsam zurück. Am Beginn der Hafenmole biegen wir rechts ab und suchen uns einen Weg zwischen den Stockfisch-Gestellen hindurch zu einer möglichst dunklen Stelle. Am Ostufer von Svinøya befinden sich die Reste einer ehemaligen deutschen Luftabwehr-Stellung aus dem zweiten Weltkrieg. Deren Betonfundamente sollten uns eigentlich eine solide Basis für den Aufbau der Stative bieten. Aber erstmal müssen unter den Trocknungs-Rahmen durch. Die noch feuchten Fischkadaver tropfen wie Kieslaster. Da ist Vorsicht beim Durchqueren geboten, um nichts von der gammeligen Schlotze abzubekommen. Nach fünf Minuten haben wir den Parcours geschafft. Jetzt müßte nur noch…
Kathrin ist diejenige, die als erste den zarten Streifen Grün am Himmel erspäht, der üblicherweise den Beginn der Lichtshow signalisiert. Und in der nächsten Stunde bekommen wir eine solide Vorstellung des Phänomens „Aurora Borealis“ geboten. Für Gert ist es eine Premiere, entsprechend euphorisch ist seine Stimmung. Während er und ich immer wieder unsere Position auf der Suche nach der besten Bildkomposition verlagern, bleiben Holger und Kathrin an einer etwas höheren Stelle stehen und genießen das Schauspiel in aller Ruhe. Und gegen ein Uhr ist alles vorbei.

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Nordlichter über Svinøya

Dienstag, 26. März

Heute könnten wir theoretisch ausschlafen, werden aber wieder mal recht früh von der Morgensonne geweckt. Blick nach draußen, Daumen hoch! Das wird wieder ein schöner Wintersport-Tag. Kathrin nutzt die Zeit vor dem Frühstück für eine kleine ‘Kaffebønna-Runde’ durch Svolvær.ALT Sie besorgt nicht nur frische Brötchen und etwas Kuchen als spätere Wegzehrung für Gert, sondern schafft es sogar noch, mit ihrem Smartphone rund um den Hafen ein paar schöne Winterimpressionen einzufangen.
Heute teilt sich unsere kleine Gruppe. Herr Hofer möchte seine erste Skitour gehen und hat sich dazu die Gegend westlich von Kabelvåg ausgeguckt, die er bequem mit dem Bus erreichen kann. Wir anderen fahren in die entgegengesetzte Richtung. Mit der Fähre wollen wir nach Hadseløya übersetzen, um dort zwischen Melbu und Stokmarknes einen der vielen gespurten Rundkurse zu laufen. In den nächsten Tagen soll auf den Lofoten Tauwetter einsetzen, und bereits in der vergangenen Nacht fiel die Temperatur nur noch knapp unter den Gefrierpunkt. Hoffentlich hält die vorhandene Schneedecke noch eine Weile…
Auf dem Weg zur Fähre lassen wir uns Zeit. Ein paar Fotostops sind immer drin. Dabei fallen uns viele am Straßenrand geparkte Autos und Kleinbusse auf, und als wir an einer dieser Stellen halten, erkennen wir auch den Grund dafür.ALT Hier im Osten der Insel Austvågøya liegen viele landschaftlich schöne und herausfordernde Routen höherer Schwierigkeitsgrade für Skitouren. Die ersten Gruppen sind auf dem Weg nach oben zu den Startplätzen schon ein gutes Stück vorangekommen. Aber noch fährt niemand wirklich ab, deswegen geht’s für uns ziemlich bald weiter.
Der Wind ist bestenfalls ein laues Lüftchen, darum tuckert die Fähre ganz ruhig hinüber nach Hadseløya. Kein Rollen oder Schaukeln vermiest einem die Fahrt. Das habe ich auf dieser Strecke zwischen den Lofoten und den Vesterålen schon ganz anders erlebt. Holger macht es sich auf einer Bank bequem, Kathrin und ich spazieren an Deck herum, tanken Sonne und knipsen ein paar Fotos.
Am Sportplatz in Melbu wird das Auto geparkt, und die Skier werden angeschnallt. Vor uns liegt der Berg Ørnheia mit einer exponiert gelegenen Rotkreuz-Hütte recht weit oben an seiner Westflanke. Diese soll heute grob unser Ziel sein. Schätzungsweise acht Kilometer und 400 Höhenmeter müssen wir dazu hinter uns bringen. Also los!
Die ersten zweitausend Meter der Loipe führen am Rand von Melbu entlang, dann biegt die Piste in den Wald ab und steigt allmählich an.ALT Im unteren Teil der Strecke hat Schein der Wintersonne zusammen mit unwinterlichen Temperaturen an den vergangenen Tagen schon ganze Arbeit bei der Schneeschmelze geleistet. Wir müssen aufpassen, daß wir uns die Laufflächen der Skier nicht zerkratzen, denn hier und da kommt von unten schon der Ackerboden durch. Auf dem folgenden Abschnitt geht es durch ein kleines Waldgebiet bergan, und auch die Steigung wird spürbar herausfordernder. Die Loipe ist hervorragend präpariert und erleichtert die Sache ein wenig. Etwa anderthalb Kilometer vor dem Ziel führt links eine Schneise steil den Berg hinauf. Gespurt ist hier nicht mehr. Klar, das ist unser Weg. Ich schnalle meine Ski für den Aufstieg ab, weil das etwas Kraft spart, die ich vielleicht gleich noch brauche. So langsam kommen wir wieder aus der Baumzone heraus und erfreuen uns an einem schönen Ausblick auf die Lofoten.
Hier oben sind wir heute einzigen Besucher. Eine alte Schneemobil-Spur, die bis zum Gipfel der Storheia hinauf führt, gibt eine gute Ersatzloipe ab. Wir biegen etwas vorher ab, weil die Berghütte des Norwegischen Roten Kreuzes rechterhand fast zum Greifen nahe liegt.ALT Hier wird das Fortkommen nochmals etwas beschwerlicher, denn der Untergrund ist vereist. Aber wir erreichen das Häuschen ohne Unfälle. Leider ist es heute geschlossen. Der Wasserhahn an der Seite, wo man seine Trinkfaschen auffüllen könnte, ist eingefroren. Ein paar Minuten setzen wir uns auf der Terrasse in die Sonne, aber hier oben kühlt einen der Wind relativ schnell aus. Also muß es weiter gehen…
Kathrin und Holger laufen zu Fuß bis zum Gipfelplateau der Ørnheia hinauf. Ich bleibe hier unten zurück, weil ich noch die weiße Pracht fotografieren will. Wir treffen uns zwanzig Minuten später wieder an der Hütte, schnallen die Bretter unter und machen uns auf den Rückweg. Der erste Teil geht wie von selbst, wir fahren auf unserer Spur vom Aufstieg hinunter. Am letzten Steilhang vor dem Erreichen der Hauptloipe steige ich wieder auf Schusters Rappen um, das ist mir doch ein wenig zu abschüssig hier. Da wir bis zur Abfahrt unserer Fähre noch reichlich Zeit haben, nehmen zurück wir eine andere Strecke etwas weiter oben am Berg. Immer schön durch den Winterwald, ein einziges Auf und Ab. Kurz vor Melbu noch eine kurze steile Abfahrt,ALT dann stehen wir wieder an unserem Auto.
Ski verstaut, umgezogen. Jetzt hätten wir Zeit für einen Kaffee. Aber leider befinden wir uns hier in einer nur mittel­mäßig funktionalen Stadt – ohne nette Cafés. Die einzige Konditorei schließt nachmittags um 15 Uhr. Hä? Was soll das denn? Gert würde jetzt vermutlich den Aufstand proben, wenn er dabei wäre. Wegen akuten „Treibstoff“-Mangels schläft uns Kathrin auf der Fähre bereits kurz nach dem Ablegen ein und wird erst von der Lautsprecherdurchsage kurz vor Fiskebøl auf der Lofoten-Seite geweckt.
Ein Anruf bei Gert – der befindet sich ebenfalls auf dem Heimweg von seiner Skitour und wird fast gleichzeitig mit uns im Apartment ankommen. Das paßt ja perfekt. Wir treffen uns alle wieder in der Ferienwohnung, gehen duschen und nach den Telefonaten mit den Liebsten daheim hinunter ins „Du Verden“. Das Menü sah verlockend aus, und heute haben wir uns was Ordentliches zum Abendessen verdient. Und da mittlerweile dicke Wolken aufgezogen sind, brauchen wir uns um mögliche Nordlichter keine Gedanken zu machen. Dafür können wir alle was trinken und köpfen in gemütlicher Runde eine Flasche Rotwein, während draußen leise der Schnee rieselt.

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Blick nach Svinøya und zum Scandic-Hotel

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