Färöer 2019

Anflug auf Vágar

Rückblende ins Jahr 2009. Nach vie­len Gesprächen „in posi­tion” mit mei­nem als Weatherman bekann­ten Kollegen Stefan über nord­wärts gele­gene Reiseziele steht für mich fest: auf die Färöer muß ich unbe­dingt mal rei­sen. Immer nur Norwegen ist ja auf Dauer auch lang­wei­lig. Als Planungstool besorge ich mir vor­sichts­hal­ber schon mal einen Reiseführer.

Sonntag, 23. Juni

Daß es doch 10 Jahre bis zur ersten Reise auf die Färöer dau­ern würde, hätte ich mir beim Kauf des Buches sicher nicht träu­men las­sen. Aber in die­sem Jahr paßt alles zusam­men: opti­ma­ler Zeitraum, mit Robert und Lofi zwei ebenso foto­be­gei­sterte Begleiter und das „Go” von Zuhause. Besonders will­kom­men ist mir in die­sem Jahr der große Temperaturunterschied zum hei­mi­schen Rheintal.ALT Während bei uns das Thermometer kom­mende Woche bis auf knapp 40 Grad klet­tern soll, errei­chen die Werte auf den Färöern nur ange­nehme 12 – 13. Perfekt!
Robert und ich star­ten gemein­sam in Kandel und picken Lofi auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen auf. Etwas frü­her als gewöhn­lich müs­sen wir dort sein, denn Herrn Hantzsche ist gestern auf­ge­fal­len, daß sein Personalausweis vor­ge­stern abge­lau­fen ist, sein Reisepaß bereits vor einem Jahr. Aber Fraport hat natür­lich eine eigene Paß-Stelle, wo man inner­halb einer hal­ben Stunde vor­läu­fige Ersatzdokumente aus­stel­len las­sen kann. Wollen wir mal hof­fen, daß die Nordmenschen diese auch akzep­tie­ren. Aber ich bin optmi­stisch und ver­su­che, mei­nen Kollegen zu über­zeu­gen: „Robbert, det schaff’n wa schon!”
In Frankfurt jeden­falls inter­es­siert sich schon­mal nie­mand für irgend­wel­che Dokumente, und so sit­zen wir ent­spannt im letz­ten Lufthansa-Flug des Tages nach Kopenhagen. Von dort geht mor­gen früh um 6 Uhr unser Anschlußflug mit Atlantic Airways nach Vágar, dem ein­zi­gen Airport der Färöer.
Das Clarion-Hotel am Flughafen Kastrup ist mit nur fünf Minuten Fußweg die nächst­ge­le­gene Herberge und läßt sich die­ses Alleinstellungsmerkmal auch fürst­lich bezah­len. 300 € pro Nacht sind für ein Komfort-Doppelzimmer mit Aufbettung eine ordent­li­che Ansage, aber immer­hin ist das Frühstück im Preis ent­hal­ten. Lofi schenkt als Schlummifix noch eine Runde selbst­ge­brann­ten Obstschnaps aus, dann fal­len wir gegen 1:00 Uhr ins Bett.

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Ankunft in Vágar

Montag, 24. Juni

Aua, der Wecker! Drei Stunden Nachtruhe haben nicht wirk­lich gereicht, aber eine kalte Dusche macht mich eini­ger­ma­ßen wach. Meine bei­den Reisebegleiter quä­len sich eben­falls nur müh­sam aus ihren Betten, aber wir kön­nen ja spä­ter im Flugzeug noch eine Mütze Schlaf neh­men. Eingecheckt haben wir schon, also müs­sen wir nur schnell die Koffer abge­ben und kön­nen danach noch eini­ger­ma­ßen ent­spannt früh­stücken gehen. Gesagt, getan.ALT Das Buffet, wel­ches hier bereits mor­gens um 4:00 Uhr auf­ge­fah­ren wird, ist wirk­lich aus­ge­zeich­net, sowohl bei Auswahl als auch Qualität der Produkte. Da kann sich die Mehrzahl der von mir bis­lang besuch­ten Hotels gerne mal eine Scheibe von abschneiden.
Gut gestärkt schlen­dern wir zur Sicherheitskontrolle, und wie­der ein­mal inter­es­siert sich nie­mand für irgend­wel­che Ausweise. Allzu lange müs­sen wir auch nicht aufs Boarding war­ten, und fast pünkt­lich heben wir ab. Vágar, wir kommen!
Der Flug ver­läuft ruhig, wir dösen noch ein wenig in der nur zu einem Drittel gefüll­ten Maschine. Kurz vor dem Endanflug reißt die Wolkendecke auf, und wir kön­nen auf den letz­ten Meilen schon einige Fotos schie­ßen. Das kleine Terminal hat nur zwei Gates, alles recht fami­liär hier. Mal wie­der keine Ausweiskontrolle und auch null Hektik am Gepäckband. Am Schalter der Autovermietung keine Überraschungen, ein etwas unter­mo­to­ri­sier­ter KIA Cee’d soll in der näch­sten Woche unser Gefährt sein.
Die dünne Wolkendecke hat sich mitt­ler­weile kom­plett auf­ge­löst. Das wol­len wir aus­nut­zen und schon gleich ein paar Fotospots auf der Insel Vágar abklap­pern. Wo wir schon mal hier sind. Erstes Ziel: der Wasserfall Múlarfossur, der am Rande des Ortes Gásadalur foto­gen ins Meer stürzt.ALT Eins die­ser typi­schen Instagram-Motive, wenn nicht sogar das meist­fo­to­gra­fierte der Färöer. Heute mor­gen ist das Licht zwar ganz okay, aber die gro­ßen Licht-Schatten-Kontraste brin­gen meine Kamera an ihre Grenzen. Nach einer hal­ben Stunde Knipserei ohne zufrie­den­stel­lende Ergebnisse packen wir unsere Sachen und gehen eine kleine Runde an den Klippen ent­lang und um das Dorf herum.
Im Vorfeld der Reise haben wir alle den YouTube-Channel des däni­schen Fotografen Mads Peter Iversen ange­se­hen, auf dem es zu jeder Insel der Färöer ein eige­nes Video mit Tips zu den ein­zel­nen Fotospots gibt. In den ver­gan­ge­nen Jahren hat es wohl immer wie­der Unfälle mit unvor­sich­ti­gen Touristen gege­ben, die beson­ders die ört­li­chen Windbedingungen unter­schätzt und die­sen Leichtsinn mit ihrem Leben bezahlt haben. Einmal von einer der bis zu 500 m senk­recht ins Meer abfal­len­den Felskanten geweht, kann man besten­falls noch mit einer Bergung rech­nen. Daher auch die Warnung in jedem Video: „Be care­ful! If you fall off the cliff, you (pro­bably) die…”
Hier in Gásadalur woll­ten sich die Einheimischen jeden­falls nicht auf die Vernunft der Besucher ver­las­sen und haben die Dinge selbst in die Hand genom­men. Wo immer mög­lich, wurde ein siche­rer Pfad nahe der Klippenkante abge­steckt und mit gel­ben Leinen mar­kiert. Sehr umsich­tig!ALT Manche Motive aus frü­he­ren Reisen las­sen sich nun lei­der ohne Landfriedensbruch nicht mehr errei­chen, aber unten im Ort hat man zumin­dest freien Zugang zur Hauptattraktion.
Wir set­zen unsere Reise fort und fah­ren in Miðvágur ein­kau­fen, was wir so an ersten Vorräten brau­chen. Ballerina-Kekse, die Haupt-Energiequelle auf all mei­nen Nordland-Reisen, gibt’s auch hier. Ich bin glück­lich. Robert und Lofi wagen sich an einige selt­sam aus­se­hende ein­hei­mi­sche Bonbons, deren Geschmack hält, was die Optik ver­spricht. Seramis meets Hundekot, mehr sage ich dazu nicht. Weiter geht’s zum Trøllkonufingur, einer Felsnadel vor der Küste bei Sándavagur. Ein klei­ner Parkplatz ist vor­han­den, ein kur­zer Wanderpfad auch, und nach zehn Minuten Fußweg sehen wir den „Hexenfinger” aus dem Meer ragen. Heute ist es unge­wöhn­lich son­nig und nahezu wind­still, da sind selbst 12 Grad gut im T‑Shirt auszuhalten.
Da wir bereits um acht Uhr mor­gens gelan­det sind, unser Quartier aber nicht vor dem Nachmittag bezugs­fer­tig sein wird, müs­sen wir noch ein wenig Zeit tot­schla­gen, und das geht wun­der­bar bei einem Stadtbummel durch die Hauptstadt Tórshavn. Im alten Stadtkern auf der Halbinsel Tinganes befin­den sich alle Ministerien der teil­au­to­no­men Region Färöer.ALT Wie bei einer Bevölkerung von 50.000 Seelen nicht anders zu erwar­ten ist, geht auch hier alles sehr locker und fami­liär zu. Das Energieministerium bei­spiels­weise ist in einer klei­nen roten Rorbu unter­ge­bracht, alle ande­ren Ressorts ebenso kusche­lig in histo­ri­schen Holzhäusern in der Nachbarschaft.
Gegen 15 Uhr schickt uns unsere Gastgeberin Karis eine Nachricht, daß die Ferienwohnung klar zum Einzug sei. Wir sit­zen gerade noch im Café Paname vor ein paar Sandwiches zum Mittag. Also auf­es­sen und los; ein paar­mal ver­fah­ren – ist aber auch kein Wunder bei der Müdigkeit. Wir ver­tei­len uns auf die Zimmer und machen erst ein­mal ein Nickerchen. Drei Stunden spä­ter bre­chen wir nach einer Besichtigung der Küche auf, um Lebensmittel ein­zu­kau­fen. Alles wird ver­staut, und wir fah­ren noch­mal nach Downtown zum Abendessen, denn bereits am Mittag fiel uns eine viel­ver­spre­chende Pizzabude ins Auge.
Ende Juni wird es auf den Färöern eigent­lich nie rich­tig dun­kel, also hat man bis spät in die Nacht schö­nes Licht (falls das Wetter mit­spielt). Diesen Umstand wol­len wir heute bei unse­rer ersten Abendwanderung aus­nut­zen. Die Klippen von Trælanipa sind das Ziel.ALT Der Weg dort­hin führt über Privatgelände und ist seit die­sem Jahr „maut­pflich­tig”. Umgerechnet 30 € pro Person sind sicher­lich kein Pappenstiel, aber das Geld wird in den Ausbau des Wanderpfades gesteckt. Heißt es jeden­falls. Wenn man die Gestalten anschaut, die den Eingang bewa­chen, dür­fen durch­aus Zweifel ange­bracht sein. So wie die aus­se­hen, wer­den mit unse­rer Kohle eher die hei­mi­schen Alkoholvorräte auf­ge­stockt. Egal: der dem’s gehört, bestimmt die Regeln.
Kurz vor 21:00 Uhr errei­chen wir den Parkplatz, an dem der Weg beginnt. Gleich wird das Tor abge­schlos­sen, danach kommt man nur noch raus, aber nicht mehr rein. Ungefähr eine Stunde dau­ert der Fußmarsch zu den Klippen, und er ist jede Minute davon wert. Unterwegs erfreuen einen bereits immer wie­der schöne Aussichten auf den See Leitisvatn, und am Ziel genie­ßen wir einen atem­be­rau­ben­den Blick auf den See, der – je nach Kamerastandort und Wolkenlage – über dem Meer zu schwe­ben scheint. Gerade noch recht­zei­tig, bevor die Sonne hin­ter dem Berg nebenan ver­sinkt, gelin­gen uns noch ein paar schöne Aufnahmen der Szenerie. Während sich der Himmel bereits bunt färbt, wird zum Rückzug gebla­sen.ALT Es ist 23:30 Uhr, aber immer noch ist genug Restlicht zum Fotografieren da. Eine halbe Stunde nach Mitternacht errei­chen wir wie­der den Parkplatz, essen Pizzareste von vor­hin und fah­ren noch ein paar Kilometer zum Nordufer des Sees.
In der Nähe des Flughafens hat man vor eini­ger Zeit im Uferbereich aus Gabionen eine Pferdeskulptur namens „The Nix” errich­tet, die abends bunt ange­strahlt wird. Da jetzt gerade blaue Stunde ist, wol­len wir die­ses Motiv noch mit­neh­men. Wir platz­ie­ren uns im fla­chen Wasser, um den Gaul mit einer brauch­ba­ren Spiegelung aufs Bild zu ban­nen, denn wie Lofi immer sagt: „Ein Foto ohne Spiegelung gehört zu den Dingen, die die Welt nicht braucht.” Robert post kurz vor Ende der Session noch sehr pro­fes­sio­nell als Held im Kampf gegen das Ungeheuer aus dem See. Da soll­ten doch heute ein paar ordent­li­che Aufnahmen dabei sein, also packen wir um zwei Uhr unse­ren Kram zusam­men und fah­ren heim. In der Ferienwohnung erfolgt dann noch eine schnelle Sichtung, WhatsApp an die Liebsten daheim, und gegen vier fal­len uns die Augen zu. Irgendwann muß eben auch ein­mal Schluß sein…

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Lofi foto­gra­fiert den See Leitisvatn

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