Schottland 2020

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am Strand von Rattray

Mittwoch, 16. September

Nachdem es gestern trotz aufziehender Bewölkung lange trocken blieb und wir darum noch einige Zeit im Glen Affric unterwegs waren, lassen wir es heute eher ruhig angehen. Nach einem Frühstück im Hotel packen wir unsere Fotoausrüstung ins Auto und fahren einfach los: nach Osten, also grob in Richtung Aberdeen.ALT In dieser Ecke Schottlands gibt es entlang der offensichtlichsten Route ein paar vereinzelte, gut verteilte Locations, die wir ganz easy abklappern könnten. Weil uns gerade wieder Wolken folgen und das Licht zum Fotografieren eher mäßig ist, legen wir die Strecke bis zum gedachten Endpunkt der Tagestour mehr oder weniger am Stück zurück. Inzwischen schiebt sich von Westen ein “blaues Loch” am Himmel heran, so daß ich Micha bitte, eine Expedition zum Erdgas-Verladehafen im nahegelegenen Peterhead zugunsten einer lieblicheren Location zu verschieben oder zu ersetzen. Nur wenige Kilometer östlich von uns steht der Leuchtturm von Rattray auf einem Betonsockel im Wasser und ohne störendes Beiwerk. Den wollen wir uns mal aus der Nähe ansehen!
Wir stellen den Mietwagen beim Leuchtturmwärterhaus nahe der Küste ab und arbeiten uns über die Dünen zum weitläufigen Sandstrand vor. Außer uns ist noch ein weiterer Fotograf da und baut in Erwartung des demnächst eintreffenden Sonnenscheins sein Stativ samt Kamera auf. Micha und ich tun es ihm gleich und verteilen uns in der Landschaft.ALT Lediglich ein paar Minuten Geduld sind jetzt noch gefragt, dann reißt die Wolkendecke auf und taucht die Küste in gleißendes Licht. Diese Beleuchtung hält etwa eine halbe Stunde vor, dann ist die Sonne erst einmal wieder verschwunden. Wir haben unterdessen alle möglichen Bildkompositionen ausprobiert und jede Menge Material “im Kasten”. Zurück am Wohnhaus des Leuchtturmwärters machen wir Mittagspause und verspeisen ein paar Sandwiches von gestern und eine Instant- Nudelsuppe. Lecker ist anders, aber das Zeug muß ja nun mal weg…
Und jetzt geht es auch schon wieder zurück in Richtung Inverness. Nach Aberdeen kommen wir eh wegen eines corona-bedingten lokalen Lockdowns nicht rein, aber wir haben ja auf der Hinfahrt einige schöne Küstenorte gesehen, die wir näher in Augenschein nehmen wollen.
Erster Stop: Banff. Zugegeben, mitunter denkt man beim Durchfahren: “Or gugge ma, or. Or gugge, or. Or sieht das scheen aus.” Aber wenn man sich dann vor Ort auf Motivsuche begibt,ALT bleibt von der anfänglichen Begeisterung nicht viel übrig. So ist es auch hier. Das Städtchen mag ganz nett sein, aber ohne fotografische Highlights. Belassen wir’s also bei einer Handvoll Bilder. Etwas mehr Beschäftigung bietet da schon der alte Hafen von Portsoy. Wir beackern diesmal gemeinsam das Spielfeld, das sich dank Ebbe um einige tausend Quadratmeter vergrößert haben dürfte. Viele kleine Details gibt es hier zu knipsen. Nach einer Stunde ziehen wir weiter, wir haben ja noch mehr vor.
Das Highlight am Abend ist der Bow Fiddle Rock in der Nähe von Cullen. Wahrscheinlich auch schon “totgeknipst”, aber wir machen uns trotzdem ans Werk, zumal uns das Glück in Form von günstigem Licht zur goldenen Stunde hold ist. Den Tag beschließt ein Abendessen im “Cullen Bay Hotel”. Die Location war auch schon bei “Kitchen Impossible” zu sehen. Micha nimmt ein Steak, ich entscheide mich für den bekannten Fischeintopf Cullen Skink. Kann man beides gelten lassen…

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Cullen, Bow Fiddle Rock

Donnerstag, 17. September

Normalerweise mag ich das gar nicht: in den Urlaub zu fahren, ohne vorher recht genau zu wissen, wo wir wann übernachten werden. Aber 2020 ist eben vieles anders. Was uns auf dieser Tour neben den corona-bedingten Einschränkungen die Quartiersuche etwas erschwert,ALT ist der Umstand, daß im Vereinigten Königreich eben noch Sommerferien sind. Da die Briten ja derzeit nirgends hin verreisen dürfen, machen sie im eigenen Lande Urlaub. Schottland steht auch bei Onkel Tommy hoch im Kurs und ist dementsprechend gut ausgebucht. Da müssen wir flexibel bleiben. Eigentlich wollten wir zur Isle of Skye, aber dort kannste gescheite Unterkünfte gerade komplett vergessen. Deshalb haben wir gestern noch eine Nacht im Hotel in Inverness drangehängt, denn auch beim geplanten Ausweichziel sind Ferienwohnungen rar gesät, kaum verfügbar und schon gar nicht günstig. Als Alternative haben wir uns für die äußeren Hebriden entschieden. Die Inseln Lewis und Harris wurden mir schon in der Vergangenheit von Kollegen empfohlen, und eine Internetsuche nach dortigen Foto – Locations brachte einige vielversprechende Orte zu Tage.
Und so fahren wir heute nach einem zeitigen Frühstück weiter in die nördlichen Highlands hinein. Genau gesagt geht es nach Ullapool, wo am frühen Vormittag eine der wenigen noch buchbaren Fährverbindungen in Richtung Isle of Lewis abgeht.ALT Dank der rechtzeitigen Departure können wir uns unterwegs Zeit lassen und finden immer mal wieder ein paar Motive am Straßenrand, die wir mit wenig Aufwand ablichten können. Der Himmel ist zwar bedeckt, und das soll sich heute und morgen auch nicht mehr ändern, aber so kommt Schottland auf den Fotos wenigstens richtig stilecht rüber.
Die Fähre ist noch nicht da. Bis zu ihrer Ankunft striezeln wir noch ein bißchen im Hafen von Ullapool herum. Vom Ende der Kaimauer aus hat man einen hervorragenden Blick auf die vorgelagerten Inseln, und mittlerweile schiebt sich dazwischen ein größeres Schiff ins Sichtfeld. Das sollte dann wohl unseres sein. Ganz schön flott ist es jedenfalls. Bis zum Boarding dauert es dann zwar noch eine reichliche Stunde, aber wir haben keine Eile. Angesichts der eher mäßigen Wettervorhersage für die äußeren Hebriden haben wir heute in fotografischer Hinsicht nichts mehr vor. Nachdem wir abgelegt und das erste Stück Fahrstrecke mit halbwegs interessanter Küstenlandschaft hinter uns gelassen haben, statten wir dem Bordbistro einen Besuch ab.ALT Die Aus­wahl an Speisen ist begrenzt, aber qualitativ sehr ordentlich. Neben den üblichen Dreieck-Sandwiches mit vor allem maritimen Belägen gibt es hier nur eine Handvoll kleine Gerichte sowie eine Auswahl and Kuchen und Gebäck. Ich nehme einen Salat mit Lachs, dazu ein Schoko-Cookie und Milchkaffee.
Fünf Stunden dauert die Überfahrt. Eine Stunde vor der Ankunft kommt die Silhouette der Isle of Lewis in Sicht. Der Wind frischt auf und reißt die bis dahin geschlossene Wolkendecke hier und da ein wenig auseinander. Stornoway bietet mit seinem derzeit langweiligen Licht dem ambitionierten Fotografen nicht allzu viel. Wir haben aber im Norden der Insel ein blaues Loch am Himmel erspäht, das kontinuierlich größer wird, und fahren unverzüglich dorthin. Unterwegs müssen wir ein paarmal anhalten, weil Michael wichtige geschäftliche Telefonate zu führen hat, für die er eine lediglich dezente Geräuschkulisse gebrauchen kann. Das gibt mir dann immer kurz die Möglichkeit für spontane Schnappschüsse am und vom Straßenrand. Irgendwann sind die dringenden Business-Fragen geklärt, und auch Micha kann sich wieder dem Fotografieren widmen.ALT Inzwischen haben wir uns ein gutes Stück nach Norden vorgearbeitet und sind am Port of Ness angekommen. Die Sonne hat sich heraus gewagt, und die Location ist irgendwann abgearbeitet. Wir steigen wieder ins Auto und machen uns an die verbleibenden zwei Kilometer, bevor wir mit dem Butt of Lewis das endgültige Ende (den Arsch) der Insel erreicht haben.
Etwas südlich vom Inselpoppes entdecken wir aus dem Auto heraus von Weitem den Zugang zu einem Strand. Das wollen wir uns näher ansehen, denn bis wir demnächst unser Ferienhaus beziehen können, müssen wir noch ein wenig Zeit rumkriegen. Dieser kleine Abstecher lohnt sich wirklich. Gerade einmal zwei Leute auf ebenso vielen Kilometern, feiner gelber Sand, interessant gemusterte Felsformationen sowie hier und da etwas Strandgut – da macht doch das Fotografieren so richtig Laune.
Mittlerweile ist es früher Abend. Wir fahren zurück nach Stornoway, nehmen unser Quartier in Beschlag und kaufen dann nach einer kurzen Sichtung der Vorräte im örtlichen Tesco ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Nach einer schnellen Tiefkühlpizza widmet sich Micha nochmal seinen wichtigen geschäftlichen Aufgaben. Ich schnappe mir derweil das Auto und fahre ein wenig über die Insel. Vielleicht tun sich ja noch ein paar Motive auf. Die vielversprechenden Locations werden markiert, mehr gibt das langweilige Licht leider nicht her. Gegen 21 Uhr wird’s dann auch dunkel, und ich kehre wieder heim. Damit endet dieser Tag.

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wenn man bei der Ferienhaus-Buchung am falschen Ende spart…

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