Lofoten 2016, Teil 2

Haukland, wärmster Tag des Jahres

Donnerstag, 21. Juli

Heute ist es soweit: der mit Ansage heißeste Tag des Jahres ist da. Schon morgens beim Frühstück bemerken wir die gleißende Sonne. Da werden wir doch heute Nachmittag glatt mal einen Versuch wagen, an einem der wunderschönen Strände unserer Insel baden zu gehen. Johannes verbringt die erste Tageshälfte beim Angeln, ich setze derweil die Mäharbeiten im Garten rund ums Haus fort. Anne Gerd pflanzt ein paar neue Blumen in ihre Beete ein und bereitet zwei Zimmer vor, denn heute Abend treffen neue Gäste ein.
Dafür reisen die Schweden am Mittag wieder ab. Sie wollen noch weiter, am liebsten hoch bis zum Nordkap, aber einen konkreten Zeitplan haben sie nicht. Vielleicht sollte ich mir das mal für die Zukunft merken, daß Urlaube sehr entspannt laufen können, wenn man sich nicht allzu viel vornimmt und ab und zu einfach mal treiben läßt. Wir verabschieden uns von ihnen, nicht ohne das Versprechen abzugeben, daß wir, wenn wir mal in Lappland zu Besuch sind, auch mal bei Ihnen vorbei schauen werden. Ich gehe in die Küche, die Reste von gestern Abend mit etwas Reis aufwärmen, Johannes läßt sich noch ein paar Köder geben und geht wieder mit der Angel zum See.
Nach dem Lunch packen wir Badesachen ins Auto und fahren zu dritt nach Haukland. Aber o weh! Diese clevere Idee hatten tausende andere Menschen auch. So voll wie oben auf dem Titelbild haben wir den Strand noch nie erlebt. Was man nicht sehen kann, ist der gewaltige Stau auf der einspurigen Zufahrtsstraße, weil viele Leute ihre Autos am Rand geparkt haben, und nun nur noch eine schmale Gasse ohne Ausweichmöglichkeit für mehrere hundert Meter bleibt, wo halt jeder durch muß. Vor uns geht nix mehr, und am anderen Ende der Schmalspurstrecke sehen wir bereits zwei große Wohnmobile, die in unsere Richtung wollen. “Das wird doch nie was”, denke ich, sehe Anne Gerd an, und wir treffen die einzig richtige Entscheidung: schnellstmöglich wieder umdrehen, so lange es noch geht und hinter uns niemand am Stauende steht. Entweder wir finden weiter im Westen, bei der Nachbarbucht von Vik, einen Parkplatz, oder wir lassen es komplett sein und fahren wieder heim. Unsere Wahl fällt auf letztere Option, denn uns kommen immer noch Massen von Autos entgegen, so daß also auch in kürzester Zeit die Straße nach Leknes komplett unpassierbar sein dürfte. Wie richtig diese Entscheidung ist, wird sich später am Abend zeigen, als die lokalen Nachrichten über ein totales Verkehrschaos auf den Zufahrtsstraßen zu den bekannten Badestränden berichten. Auch die Zeitungen werden am nächsten Tag voller Horrormeldungen sein.
Den Nachmittag verbringen wir am See. Johannes probiert sich im Stand-up-Paddling, Anne Gerd sonnt sich im Liegestuhl und ich habe es mir im Schatten eines Baumes mit einem Buch und einer Tasse Kaffee bequem gemacht. So läßt es sich aushalten. Kurzer Check am Außenthermometer: oh ja! 26 °C dürften neuer Rekord sein.
Kurz nach dem Abendessen brechen wir noch einmal zu einer kleinen Rundtour mit dem Auto auf, da man nie weiß, wie lange solch ein Prachtwetter hier oben vorhält. Wir Jungs haben auch noch etwas Spezielles vor, denn heute Abend legt das neueste Schiff der Hurtigruten, die MS “Spitsbergen”, in Stamsund an. Da ich für den Winter die Idee habe, in Begleitung meiner Tochter Paula mit diesem Schiff von Tromsø aus zu Anne Gerd zu fahren, bietet es sich vielleicht an, das Teil während seines kurzen Aufenthaltes im Hafen vorher mal in Augenschein zu nehmen. Nach der Inspektion steht fest: damit fahren wir schon mal nicht. Deckenhöhe gefühlt unter 2 Metern, da kriege ich selbst im großen Salon Beklemmungen. Die Fenster im Aussichtssalon beginnen erst in Hüfthöhe – wenn man da also im Sessel sitzt, sieht man nur Himmel. Auch Johannes ist nicht sehr angetan von der Innenausstattung, und so verlassen wir nach dem obligatorischen Wir-waren-hier-Foto den Kahn wieder. Mit diesem zusammen, quasi in Formation, fährt derzeit die alte MS “Lofoten”, deren Auslaufen aus dem Hafen ich noch knipsen will. Von Westen her zieht leider Seenebel auf, darum kehren wir kurze Zeit später zum Bed & Breakfast zurück. Und so endet unser letzter Abend auf den Lofoten mit einer Tasse Tee im gemütlichen Wohnzimmer.

MS ‘Lofoten’ verläßt Stamsund

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