Wintertour 2018

Blick von Kvaløya nach Tromsø

Montag, 19. März

Wieder ein herrlicher Morgen. Die Sonne scheint, es ist windstill, und das Thermometer zeigt minus drei Grad an. Perfekte Bedingungen für Wintersport also. Die Damen sind schon früh zu ihrem morgendlichen Stadtspaziergang aufgebrochen und bringen neben frischen Croissants ein paar lustige Baiser-Hühner zum Frühstück mit. ALTNachdem wir uns bei Amanda versichert haben, daß es für sie okay ist, wenn wir das schöne Wetter für eine weitere Runde Langlauf nutzen, brechen wir auf. Unsere heutige Tour soll uns auf der „Lysloipe“ einmal quer von Süden nach Norden durch Tromsø führen. Diese durchgängig gespurte Strecke, die alle Parks und Grünanlagen auf der Insel Tromsøya miteinander verbindet und im Winter sogar beleuchtet wird, ist für mich eins der Highlights der Stadt.
Wir starten am Tromsø Museum. Nach wenigen hundert Metern muß ich die Gruppe bereits um einen kurzen Halt bitten, denn wir haben den Rodelhang im Folkeparken erreicht. Von hier möchte ich meiner Tochter Paula schnell ein Selfie als Erinnerung an unsere Winterreise 2017 schicken.
Weiter geht’s. Ich freue mich immer wieder über das perfekte Wetter und die herrlichen Ausblicke auf die umliegenden Berge, die es ermöglicht. Heute morgen habe ich meine Skier extra ordentlich gewachst, und so gleite ich ganz easy dahin. Ein kurzer Fotostop wird in Elverhøy eingelegt, wo gestern ein Teil der Gruppe schon einmal lang gekommen ist. ALTAm Nordufer des Prestvannet haben wir ungefähr ein Drittel der Strecke geschafft – wenn das kein Grund zum Feiern ist! Die Skier werden abgeschnallt, Birgit und Steffen bauen daraus eine Bar auf, während ich mit der Kamera durch den Schnee stapfe, um ein paar Winterimpressionen einzufangen. Wir genießen den Sonnenschein und werden immer wieder mal durch landende Flugzeuge abgelenkt, denn abeam unserer Position befindet sich bereits der Short Final des Flughafens Langenes.
Wir brechen wieder auf, denn vor uns liegt noch ein ganzes Stück Weg. Unsere Gruppe passiert eine Ansammlung mehrerer Radarantennen, das Biathlon-Stadion von gestern und eine große Sprungschanzen-Anlage, bevor wir die Wohngebiete verlassen und den bewaldeten Teil der Insel Tromsøya erreichen. Hier wird auch das Terrain etwas hügeliger, und die Sichtachsen reichen weiter in die Umgebung hinein. Nach etwas über zehn Kilometern haben wir mit der “Nordspissen” das Ende der Insel erreicht.ALT Ein schönes Gruppenfoto erinnert an den Abschluß dieser netten kleinen Skitour. Die meisten entscheiden an dieser Stelle, daß es für heute mit Sport reicht. Nur Holger hat noch nicht genug und will die gesamte Strecke auch wieder auf Skiern zurück fahren. Na, soll er mal. Wir anderen wollen mit öffentlichen Verkehrsmitteln heim kommen. An einer nahegelegenen Haltestelle müssen wir nicht lange warten, dann fährt auch schon ein passender Bus vor, der uns zurück in die Stadt bringt.
Da meine Polarlicht-App für heute abend eine hohe Wahrscheinlichkeit zur Sichtung der Aurora Borealis angekündigt hat, essen wir bei uns daheim in der Ferienwohnung. Nicht, daß wir gerade in einem tollen Restaurant bei feinster nordischer Küche sitzen, und dann zwänge uns ein Alarm zum hastigen Aufbruch. Nun ja, so ähnlich läuft es dann doch ab, denn mein Handy signalisiert uns durch einen schrillen Klingelton, daß wir in einer halben Stunde eine ordentliche Lichtershow zu sehen bekommen könnten, sofern wir uns dann draußen an einem halbwegs dunklen Ort aufhielten.ALT Also gut: ich scheuche alle vom Tisch auf, mahne mehrmals ein zügiges Anlegen warmer Klamotten an und fahre die Gruppe in zwei Touren zur Telegrafbukta. Diese kleine Bucht liegt nicht allzuweit von unserem Domizil entfernt, ist einigermaßen vom Streulicht der Stadt abgeschirmt und bietet einen Parkplatz direkt nebenan. Oberhalb des Strandes gibt es ein paar Picknickplätze, wo man sich auch im Dunkeln gut wiederfinden kann. Hier habe ich schon im letzten Jahr ganz brauchbare Aurora-Fotos knipsen können.
Immer wieder das gleiche Ritual bei der Polarlichter-Beobachtung. Meist beginnt es mit einem schwachen grünen Glimmen am nördlichen Horizont, bei dem man sich oft noch fragt, ob dies vielleicht nur eine Wolke sei. Aber meine Kamera zeigt es: auf dem Display ist das grünliche Etwas eindeutig als Aurora zu erkennen. Und keine zehn Minuten später spielt sich über unseren Köpfen eine beeindruckende Lichtshow ab, die ich in dieser Intensität auch lange nicht mehr gesehen habe. Alle Besucher, die sich heute abend in der Bucht versammelt haben, sind ganz aus dem Häuschen. Immer wieder hört man ein Raunen durch die Menge gehen, wenn ein besonders spektakulär tanzendes Licht über uns wabert.
Uns gelingen in der reichlichen Stunde, die das Schauspiel dauert, sogar einige schöne Gruppenfotos. Damit ist ein Hauptziel der Reise – die Sichtung von Polarlichtern – abgehakt. Jetzt kann ich mich auch entspannen. Wieder zu Hause angekommen, werden die aufgewärmten Essensreste von vorhin verspeist und ein kleiner Toast auf den gelungenen Abend ausgebracht. In gemütlicher Runde endet Tag zwei dieser Reise.

Ersfjordbotn

Dienstag, 20. März

Nachdem wir nun bereits zwei Tage mit Wintersport verbracht haben, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Zumal mit den tollen Nordlichtern von gestern abend ein wichtiger Programmpunkt abgehakt werden konnte. Außerdem würden wir Amanda gerne zu einem Ausflug mitnehmen, damit sie sich als Teil der Gruppe fühlt.ALT Während sich Mandy gemeinsam mit Kathrin und Birgit wieder zu ihrer allmorgendlichen „Kaffebønna-Runde“ aufmacht, nutze ich den Umstand aus, daß ich ebenfalls schon früh wach bin und ziehe mit meiner Kamera alleine los.
In der Innenstadt offenbart sich ein Problem des schneereichen Winters hier oben im Norden. Das Zeugs muß ja irgendwo hin, damit die Straßen passierbar bleiben. Aber wenn’s tagelang heftig schneit, kriegt man es nicht schnell genug aus der Stadt raus und muß das Ganze erst einmal irgendwo temporär zusammenschieben. So entstehen an vielen verschiedenen Stellen gewaltige Haufen aus Schnee und Eis, die zum Teil bis an die zweiten Stockwerke der Häuser heran reichen. Andernorts war der Winterdienst noch gar nicht im Einsatz, dort liegt die weiße Pracht noch unberührt und bildet meterhohe Schneewehen. Der örtliche Friedhof, den ich mir als Ziel für meinen Morgenspaziergang ausgesucht habe, ist größtenteils unbegehbar.ALT Immer wieder versinke ich bis zum Bauch in der glitzernden kalten Decke, die sich über Wege und die Gräber gelegt hat.
Ein Anruf von Steffen bereitet meinem fotografischen Tun ein abruptes Ende. Die Damen wären mit frischem Gebäck zurück, das Frühstück stünde bereit, nur ich fehlte noch. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, packe meinen Kram zusammen und kehre schnurstracks heim.
Nach dem Essen berichten alle erst einmal an die Lieben daheim, ob per Mail, WhatsApp oder Anruf. Holger vertieft sich beim Gespräch mit seinem Sohn Erik derart in ein komplexes Programmierproblem, daß er den angebotenen Tagesausflug lieber ausschlagen möchte, um dem Jungen bei dessen Schulprojekt zu helfen. Schade zwar, aber so ist es für die anderen fünf einfacher, eine Exkursion mit dem Auto zu unternehmen.
Ich schlage den anderen vor, ein paar mögliche Spots zum Fotografieren der Polarlichter schon mal bei Tageslicht in Augenschein nehmen. Unsere Route führt also zunächst in Richtung Westen, zum Ersfjordbotn. Ein Aurora-Bild dieser Location hängt bei mir seit Jahren als ursprüngliche Motivation für meine Wintertouren zu Hause an der Wand.ALT Unterwegs halten wir immer mal wieder für ein paar Schnappschüsse am Straßenrand an und ziehen uns hier und da den Unmut der einheimischen Bevölkerung zu.
Am ersten Tagesziel angekommen, finden wir recht schnell eine geeignete Stelle für ein tolles Gruppenfoto. Wir albern noch ein wenig auf den Felsen herum, bevor wir nach einer halben Stunde weiter fahren. Das Wetter soll heute wieder etwas schlechter werden, und schon am Nordfjorden – nur wenige Kilometer weiter westlich – sieht man dunkle Wolken aufziehen. Der Wind frischt auf, und so lassen wir wegen des einsetzenden Schneetreibens ein paar nette Motive entlang des Weges sausen. Und spätestens, als ich mich bei einem kurzen Fotohalt an einem zugefrorenen Wasserfall auf der spiegelglatten Straße ordentlich auf die Fresse lege und vom starken Wind fast eine Böschung hinab gepustet werde, erinnere ich mich: mit dem Wetter in Nordnorwegen ist nicht zu spaßen.
Die Bucht Sandviksletta liegt einigermaßen windgeschützt, also halten wir hier an, um ein paar Fotos der bunten Felsklippen aufzunehmen.ALT Aber bereits nach zehn Minuten sind meine Finger steif, die Kamera von vereister Gischt eingehüllt, und so brechen wir die Aktion vorzeitig ab. Vor uns liegt nun Sommarøy – ein Motiv, von dem in der Ferienwohnung von 2017 ein so schönes Polarlicht-Foto hing, daß ich diesen Ort unbedingt einmal live sehen wollte. Leider gibt sich dieser nicht sehr einladend. Die steife auflandige Brise macht jedes Aussteigen fürs Fotografieren zu einem recht unangenehmen Unterfangen. Ich probiere es dennoch, während die anderen im warmen Auto warten. So richtig lohnt sich der Einsatz aber nicht.
Wir verspeisen zum Mittag ein paar mitgebrachte Sandwiches in unserem Mietwagen und fahren dann auf einer anderen Route Richtung Tromsø zurück. Als wir hinter Brensholmen einen kleinen Bergrücken passiert haben, läßt der Wind endlich etwas nach. So können Kathrin und ich auf der weiteren Fahrt entlang des Straumsfjordens immer wieder mal aus dem Auto aussteigen und ein paar Fotos schießen. Für ein paar freilaufende Rentiere setzt unser Fahrer Steffen sogar einen halben Kilometer zurück, damit wir in die optimale „Schußposition“ kommen. Die Biester sind nämlich doch ziemlich scheu – zumindest freilaufenden Menschen gegenüber. Aber an Autos haben sie sich offensichtlich gut gewöhnt.
Wieder zurück in der Ferienwohnung, berichten wir Holger von unserem Tag. Die verpaßten schönen Aussichten wurmen ihn schon ein wenig, dafür hat er seinem Sohn beim Programmieren wenigstens ordentlich helfen können und damit wieder den Kopf frei für die nächsten Tage. Essen gehen wir heute erneut auswärts. Im Restaurant „Emma’s Drømmekjøkken“ – das schon einmal Schauplatz eines der Kochduelle der TV-Show “Kitchen Impossible” war – habe ich einen Tisch reserviert. Wir bestellen fast alle unterschiedliche Gerichte, die jedoch eins gemeinsam haben: sie sind echt lecker und überdies auch noch toll angerichtet. Den obligatorischen Schlummertrunk gibt es wieder daheim, mit tollem Blick auf den Hafen und die bunt beleuchtete Stadt. Und wieder geht ein toller Reisetag zu Ende…

Straumsfjord bei Greipstad, Blick zum Klemmartindan

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