Mein RAW-Workflow mit der Fuji X-T2

Wie schon im Artikel „von Canon zu Fuji“ geschrieben, mußte ich meine Arbeitsweise beim Import und der Nachbearbeitung meiner RAW-Dateien ein wenig ändern. Ich bin immer noch ein großer Fan von Lightroom. Allerdings ist es mit fortschreitender Versionsnummer immer langsamer geworden und mittlerweile die größte Bremse beim Standard-Workflow. Und als ob das alleine nicht gereicht hätte, war die Bildqualität beim Entwickeln der Rohdaten aus dem Fuji X-Trans-Sensor lange Zeit nicht wirklich zufriedenstellend. Verschmierte Details, Aquarell-Look, „Würmer“ beim Schärfen – man muß nur mal diese Begriffe im Zusammenhang mit Lightroom googeln, und schnell wird klar: hier mußte sich etwas ändern. Zum einen, um aus den RAW-Dateien der X-T2 die bestmögliche Bildqualität herauszuholen und zum anderen, um den Einfluß von Adobe Lightroom als bremsenden Faktor im Workflow zu minimieren.

Vorbereitung

Fangen wir zunächst mit der Auswahl der Bilder für den späteren Import an. Hier hat Adobes eierlegende Wollmilchsau speziell beim Versionssprung von 5 auf 6 noch einmal richtig den Anker geworfen, und das Kopieren und Rendern von RAW-Dateien aus einer Speicherkarte dauert etwa zwei- bis dreimal so lang wie früher. So viel Zeit habe ich aber nicht. Also muß ich die Menge der später zu importierenden Bilder schon vorher so weit wie möglich reduzieren. Den dafür notwendigen Prozeß bezeichnet man als Culling (Keulen), also das Herauskegeln der schlechten Fotos und die erste Bewertung der brauchbaren Kandidaten.

Screenshot vom Fast Raw Viewer

Screenshot vom Fast Raw Viewer

An dieser Stelle kommt eine Software namens Fast RAW Viewer ins Spiel. Diese kann die Rohdaten von der eingelegten SD-Karte fast in Echtzeit und dazu noch in sehr guter Qualität rendern, und zwar direkt aus den Rohdaten und nicht aus den darin eingebetteten JPEG-Dateien, wie andere Betrachter das tun. Rating-Funktionen wie Farb- und Sternewertungen sowie die X-Flagge zum schnellen Rauskegeln der Wackelkandidaten und grundlegende Sortier-Funktionen sind in FRV enthalten. Die Keyboard-Shortcuts für die einzelnen Aktionen sind zudem sogar Lightroom-kompatibel anpaßbar. So läßt es sich komfortabel arbeiten. Als ersten Schritt sortiere ich mit diesem Tool alle unscharfen Fotos und solche mit schlechtem Bildausschnitt aus und lösche sie direkt auf der SD-Karte. Die verbleibenden Dateien werden in einen speziellen Auto-Import-Ordner auf der Festplatte kopiert. Das schafft sogar mein 6 Jahre altes Notebook, das ich auf Fotoreisen immer mitnehme, in ordentlicher Geschwindigkeit.

Import in Lightroom

Beim nächsten Start durchsucht Lightroom den Auto-Import-Ordner und importiert alle gefundenen Bilddateien. Für diesen Vorgang wende ich ein eigenes Preset an und lasse gleich 1:1-Vorschauen der Bilder erstellen. Das dauert natürlich eine Weile, aber danach geht das Reinzoomen und Beurteilen von Fotos deutlich schneller vonstatten. Gerade in der frühen Phase, wo man noch viele Duplikate und ähnliche Bilder vergleichen und aussortieren muß, möchte ich nicht ständig auf das Nachladen der Bilddaten warten. Wichtig ist hier ein möglichst großer ACR-Vorschau-Cache, den man am besten auf einer SSD-Platte anlegt – einzustellen in den Voreinstellungen von Lightroom. Meine Größe ist 80 Gigabyte. So viele Aufnahmen werden in der höchsten Qualität gespeichert, maximal jedoch 30 Tage. Danach wird entweder die Standard-Vorschau angezeigt, oder man muß z.B. im Entwickeln-Modul die Anzeige „Daten werden geladen“ ertragen.

Lightroom, Details Panel (direkter Import)
  1. Stärke: 30 – Default: 25
  2. Radius: 1.5 – Default: 1.0
  3. Details: 90 – Default: 25
  4. Maskieren: 60 – Default: 0

Dieses Setting kann ich für 95% aller Fotos verwenden. Der hohe Wert für Maskieren sorgt dafür, daß mehr an Kanten und weniger in großen Flächen geschärft wird. So vermeidet man Bildrauschen und erhält später kleinere Dateigrößen beim Export als JPEG. Die Erhöhung des Radius auf 1.5 unterdrückt die gefürchteten Schärfungs-„Würmer“ und falsche Details und verhindert so den oft kritisierten Aquarell-Look. Lediglich, wenn viel feines Laub, Gras oder Haare (bzw. Fell) im Spiel sind, könnte man mit dem X-Transformer hier noch eine leichte Verbesserung erzielen – um den Preis einer zweiten Datei (DNG), eines zusätzlichen Arbeitsschrittes und der extra Zeit für die Umwandlung.


Alternative: Umwandlung in DNG mit dem X-Transformer

Viele Fuji-User beklagen sich über die unnatürliche Schärfe und Schwächen bei der Darstellung feiner Strukturen in Lightroom. Nach ausgiebigen Internet-Recherchen zu diesem Thema habe ich den Iridient X-Transformer entdeckt. Im Prinzip ist das nichts anderes als Adobes DNG-Konverter, aber mit einigen Einstellungen zur Anpassung der Bildparameter. Einzelne Bilder, die ich z.B. auf meine Homepage stellen oder als Poster ausbelichten möchte, lasse ich darum bei Bedarf durch diesen Konverter laufen und benutze das entstandene DNG für die weitere Verarbeitung. Die erreichbare Bildqualität und Feinzeichnung von Strukturen werden im Vergleich zum Lightroom-Rendering sichtbar gesteigert.
Nach langen Testsessions mit vielen verschiedenen Einstellungen bei unterschiedlichsten Motiven und ISO-Werten benutze ich nun dieses Setting:

Dies ist ein gutes Allround-Setting für alle Arten von Motiven. Das Schärfen erfolgt später in Lightroom (wegen der besseren Kontrolle). Mit diesem Setting werden auch feinste Details aus den Rohdaten herausgeholt. Dank der abgeschalteten Schärfung tritt auch bei höheren ISO-Werten kein extra Rauschen auf. Das übliche High-ISO Noise kann man später in Lightroom über die Regler für Rauschminderung und mit dem Maskieren-Regler im Details-Panel reduzieren.

zusätzliche Optionen für das DNG-Format

Seit der neuesten Version 1.02 des X-Transformers wird ein LR-Plugin installiert, mit dem man direkt in Lightroom für einzelne Fotos schnell mal eben eine alternative, detailreichere DNG-Version erstellen kann. Die Einstellungen im Transformer bleiben gleich. Mit dem kostenlosen Tool Auto Hotkey kann man sich zudem ein Script erstellen, mit man die Umwandlung ganz schnell per Keyboard-Shortcut anstoßen kann. Auf meinem Rechner ist dies die Tastenkombination [ALT] – X. Ich wähle also ein Foto in Lightroom aus, der Keyboard-Shortcut öffnet automatisch den X-Transformer. Dieser erzeugt das DNG-File und stapelt es mit der dazugehörigen RAF-Datei. Wenn man in den Katalog-Einstellungen von Lightroom unter dem Reiter Metadaten die Option Änderungen automatisch in XMP-Dateien speichern angetickt hat, werden obendrein die Entwicklungs­einstellungen der originalen RAF-Datei automatisch auf die DNG-Kopie angewendet. Jetzt nur noch die alternativen Schärfungseinstellungen benutzen und bei Bedarf die Belichtung anpassen – fertig.

Warten auf das Ende der Konvertierung

Schärfung der X-Transformer Fotos in Lightroom

Lightroom, Details-Panel
  1. Stärke: 40 – Default: 25
  2. Radius: 1.0 – Default: 1.0
  3. Details: 40 – Default: 25
  4. Maskieren: 40 – Default: 0
  5. Luminanzrauschen: 10 – Default: 0
  6. Farbrauschen: 0 – Default: 25

Ich habe die Werte im Vergleich zum Default Setting nicht allzu sehr angehoben, das mache ich später für einzelne Bilder separat. Der Wert für Maskieren von 40 reduziert die Schärfung in größeren Farbflächen, weil hier als Erstes ein sichtbares Rauschen entsteht, wenn man’s mit der Schärfe übertreibt. Bei detailreichen Aufnahmen mit niedrigem ISO-Wert hebe ich den Wert für Details bis auf 80 und den Betrag bis maximal 50 an, und erhöhe bei Bedarf den Maskieren-Wert, bis das entstandene Rauschen nicht mehr auffällt.

Wie geht’s weiter?

Die RAF-Dateien kopiere ich manuell von der Speicherkarte in einen Backup-Ordner oder auf eine externe Festplatte. Sicher ist sicher.
Jetzt befinden sich also die hochaufgelösten Bilder in der Bibliothek und können weiter aussortiert und anschließend die verbliebenen bearbeitet werden. Ab hier unterscheidet sich der Workflow kaum von dem im Tutorial Landschaft beschriebenen Verfahren. Ein paar Änderungen gibt es aber doch.

  1. Die Filmsimulationen – zu finden unter „Kamerakalibrierung“ – wende ich als erstes an. Mein Favorit ist „Astia (weich)“. Es gibt zwar auch hierfür ein Plug-In, das den bei der Aufnahme verwendeten Filmtyp automatisch erkennen und einstellen kann, aber das brauche ich nicht unbedingt.

  2. Die Werte für Rauschentfernung haben sich verändert, und bis ISO 1600 mache ich davon üblicherweise gar keinen Gebrauch.

Lohnt sich der Aufwand?

Für den normalen Alltag reicht mir meist der Direkt-Import in Lightroom. Die Qualität des Renderings von Rohdaten aus Fujifilms X-Trans-Sensoren der dritten Generation, wie sie in der X-T2 verbaut sind, hat sich mit den letzten LR-Versionen deutlich verbessert. Auch die Schärfung hat man damit besser im Griff, ohne daß es zu früh zu Artefakten („Würmern“) kommt. Zum Verdeutlichung habe ich hier einen Screenshot mit einem Vergleich der beiden unterschiedlich importierten Fotos eingefügt. Links ein Ausschnitt des Fotos in der üblichen Bildschirmgröße, in der Mitte die X-Transformer-Version und rechts mein Direktimport in Lightroom mit den oben angegebenen Einstellungen. Da sieht man selbst in der Pixel-Peeping-Vergrößerung kaum einen Unterschied. Lieber spare ich hier etwas Zeit und nutze diese für die Nachbearbeitung.

Vergleich der unterschiedlich gerenderten RAW-Fotos aus X-Transformer und Lightroom

Wer mehr über die Einstellungs-Optionen erfahren möchte, dem sei Thomas Fitzgeralds Guide Processing Fuji X-Trans Files with Iridient X-Transformer and Lightroom empfohlen, der dem Leser neben vier weitverbreiteten Import-Szenarios und dazu passenden Lightroom-Settings auch noch wissenswerte Hintergrundinformationen über den neuen Fuji-Sensor vermittelt.

… wird fortgesetzt …

image/svg+xml

Menü

Follow me