Von Canon zu Fuji

Die “Starting Six”

Nachdem mit der gerade vorgestellten Fujifilm X-T2 der Body als erstes Teil meiner neuen Grundausstattung schon mal feststand, brauchte ich ein Immerdrauf-Objektiv für den Anfang. Ich bin kein Freund von Festbrennweiten und kaufe lieber hochwertige Zooms. Als Allrounder kämen da einerseits das XF18-55mm F2.8-4 R LM OIS in Frage, das man im Kit sogar für nur 300 € bekommt – oder das XF16-55mm F2.8 R LM WR, von dem man sicher eine Abbildungsleistung erwarten kann, die auch hohen Ansprüchen genügen sollte. ABER: das hat keinen Bildstabilisator, damit geht’s schon mal los, zweitens wiegt es doppelt so viel wie die Kit-Linse, drittens beult es die Fototasche ordentlich aus und schließlich reißt es ein ernst zu nehmendes Loch in Portemonnaie. Zu groß, zu schwer, zu teuer – die Kurzversion.
Das XF18-135mm F3.5-5.6 R LM OIS WR wäre mit seiner enormen Zoom-Range natürlich ideal für den Anfang, aber über die Bildqualität habe ich nicht allzu viele enthusiastische Erfahrungsberichte gelesen, um es mal vorsichtig zu formulieren. Darum fiel die Wahl auf das XF18-55mm F2.8-4 R LM OIS als Kit-Objektiv, das ich, falls es meinen Ansprüchen nicht genügte, später immer noch für gutes Geld bei Ebay hätte verkaufen können. Aber ich bin damit sehr zufrieden, zumal ich in diesem Brennweitenbereich eher Schnappschüsse von der Familie oder Unterwegs-Bilder auf Reisen knipse und keine große Kunst betreibe, die nach kompromißloser Glasqualität schreit. Als ich vor dem Kauf mein Bildarchiv durchsucht habe, fiel mir auf, daß alle meine Lieblings­fotos außerhalb dieses Zoom-Bereichs angesiedelt sind.

Treibgut am Rheinstrand, XF18-55mm F2.8-4 R LM OIS @ 55mm, f 5.0, ISO 200, Filmsimulation Acros (Red Filter)

Damit kommen wir zur Nr. 3 in der Startaufstellung, dem Arbeitsglas für Landschaftaufnahmen. Hier bin ich Michael Schaakes Vorschlägen für hochwertige Festbrennweiten nicht gefolgt, sondern habe mich für das XF10-24mm F4 R OIS Zoom entschieden. Das entspricht zu fast hundert Prozent meinen Erwartungen. Warum nur fast? Erstens besaß ich vorher mit dem Tamron 15-30er ein absolut tadelloses Ultra-Weitwinkel-Objektiv, das mit seiner durchgehenden Lichtstärke von 2.8 ordentliche Reserven für Aufnahmen unter schwierigen Lichtbedingungen bot. Außerdem fällt mir am 10-24er beim Knipsen mit Offenblende eine deutliche Vignettierung auf. Der Autofokus sitzt auch nicht immer richtig, gerade bei Verwendung des Bildstabilisators. Allerdings fotografiere ich mit dieser Linse ja meist Landschaften oder statische Objekte – hier verwende ich fast immer ein Stativ, oft den manuellen Fokus und eine kleinere Blende zwischen 8 und 16, da fallen diese Schwächen nicht so auf. Dafür ist das 10-24er erfreulich leicht und kompakt und begeistert mich immer wieder durch seine hervorragende Bildqualität.

Förderband im Kraftwerk Plessa, XF10-24mm F4 R OIS @ 10mm, f 8.0, ISO 200, Filmsimulation Pro Negativ Standard

Nummer 4 sollte ein Allround-Teleobjektiv sein. Hier kämen 2 Kandidaten in Frage. Zum einen das recht günstige XF55-200mm F3.5-4.8 R LM OIS und zum anderen das professionelle XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR, dessen Spezifikationen auf Vollformat umgerechnet genau meiner weißen Canon-Tüte, dem 70-200/2.8 IS, entsprochen hätten, die ich früher immer gerne benutzt habe. Allerdings wiegt und kostet das Fujifilm-Pendant dann auch fast genau so viel. Hier bin ich meinem lokalen Fotodealer, Herrn Fischer von Foto Lorch in Landau sehr dankbar, daß er mir aus seinem Bekanntenkreis ein Exemplar für einen Hands-On-Test ausgeliehen hat, der letztlich meine Kaufentscheidung maßgeblich beeinflußt hat.
Auch wenn es sich nicht so professionell anfühlt, ist die Bildqualität des 55-200ers unter ausreichenden Lichtverhältnissen gut bis sehr gut und angesichts des moderaten Preises ein klarer Pluspunkt. Mich nervt gelegentlich der schwere Gang beim Zoomen, das obendrein genau in die gefühlt falsche Richtung funktioniert. Aber besser schwergängig als allzu klapperig, denn der Tubus fährt schon weit nach vorne raus. Und das mit der Drehrichtung ist reine Gewohnheitssache. Die Qualität der wenigen Fotos, die ich damit bislang geschossen habe, reicht für meine Ansprüche absolut aus. Mit offener Blende ist es etwas unscharf am Rand, aber bei 750 € Kaufpreis ist das für mich kein Grund zu meckern.

Winter in Kandel, XF55-200mm F3.5-4.8 R LM OIS @ 55mm, f 5.6, ISO 200, Filmsimulation Provia Standard

Die Ausgaben für das fünfte Element hätte ich gerne eingespart, weil ich meinen Blitz nicht sehr oft benutze und deswegen daran auch keine allzu großen Ansprüche habe. Aber nachdem mein altes Canon Speedlite 430 EX II nur im manuellen Modus auf der X-T2 lief und auf diese Weise weder reproduzierbare noch zufriedenstellende Ergebnisse lieferte, wollte ich einfach nur einen günstigen Flash mit ordentlich hoher Leitzahl haben. Insofern konnte ich ein Einführungsangebot der Firma Dörr nicht ablehnen, und ein DCF-52 Wi wechselte für nur 149 € den Besitzer. Mittlerweile habe ich dieses wieder verkauft und benutze seither ein Set aus zwei Godox V 860 II-F Blitzgeräten und dem dazu passenden TTL Transmitter X1T-F, das alle meine Ansprüche perfekt erfüllt. Mehr dazu in einem späteren Artikel zum Aufbau meines kleinen Heimstudios.

Mit dem Handgriff MHG-XT2 ist mein Starterkit schließlich komplett. Der Griff verbessert die ohnehin gute Haptik der Kamera nochmals und trägt dabei nicht großartig auf. Im Boden des MHG-XT2 sind Arca-Swiss-kompatible Nuten eingefräst, was für optimalen Halt auf allen passenden Stativköpfen sorgt. Ob der Preis von 120 € gerechtfertigt ist, muß jeder selbst entscheiden. Ich jedenfalls möchte dieses Zubehörteil nicht mehr missen und lasse es permanent auf der Kamera drauf bzw. darunter.

Da mein komplettes Equipment jetzt deutlich weniger Platz benötigt, brauche ich jetzt auch keinen allzu großen Rucksack mehr für Fototouren. Aufgrund der Empfehlung in einem Blog-Artikel des Fotografen Caleb Kerr habe ich mir den leichten und sehr komfortablen Osprey Spirit 24 gekauft. Die X-T2 und die Objektive verstaue ich im Hauptfach in einem Camera Insert namens “BYOB 10” von Tenba. Darin sind sie noch einmal extra geschützt, und ich habe jederzeit schnellen Zugriff auf meine Geräte. Rucksack auf, Insert raus, Deckel auf, Kamera läuft. Ratzfatz geht das.

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