Lofoten 2010

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Svolvær

Schon seit langem liege ich meiner Frau damit in den Ohren: „Du mußt unbedingt mal mitkommen! Auf den Lofoten ist es soooo toll, da wird es Dir auch gefallen – ganz sicher. Echt ehrlich!“ Dieses Jahr hat sie sich überreden lassen und kommt mit. Dies ist übrigens unser erster gemeinsamer Urlaub ohne Kinder. Die werden unterdessen von Oma und Opa betreut. Ein paar Tage zu Hause, und dann geht‘s noch für eine Woche an den Bodensee. Johannes und Paula sollten also unter unserer Abwesenheit nicht allzu sehr leiden…

Sonntag, 30. Mai

Wir fliegen wieder von Frankfurt mit Lufthansa bis Oslo. Vormittags um 11:30 Uhr gibt es eine sehr kommode Verbindung nach Evenes mit relativ kurzem Zwischenhalt in der norwegischen Hauptstadt. Da unser Flieger slotbedingt etwas verspätet startet, kommen wir in Gardermoen nicht mehr zum Essen, weil man ja dort bei der Einreise nach Norwegen sein Gepäck abholen und wieder neu einchecken muß. Wir schaffen gerade noch ein Stück Pizza im Transitbereich, und dann geht‘s auch schon weiter.
In Harstad angekommen, holen wir unseren Mietwagen beim Chef vom Hells Angels Charter Narvik ab, jedenfalls sieht der bullige Wikinger am Avis-Desk mit seinen vielen Tattoos für einen Schalterangestellten ziemlich untypisch aus. Unsere Karre ist diesmal ein Hyundai i30, Golf-Konkurrenz aus Korea. Sehr ordentlich ausgestattet und mit klanglich überdurchschnittlichem Werksradio. iPod dran gehängt und los gehts.
Gegen 9 Uhr abends kommen wir bei Anne Gerd an. Wir sind nicht die einzigen Gäste. Ein Ehepaar aus Brisbane sitzt schon in der Leseecke im Wohnzimmer und studiert Landkarten und Reiseführer. Im Lauf der Woche wird das Bed & Breakfast noch richtig voll, so daß unsere Herbergsmutter für 2 Tage sogar ihr eigenes Schlafzimmer räumt und in ihren Wohnwagen umzieht, um einem Last-Minute-Gast (ebenfalls aus Australien) eine Unterkunft mit „Familienanbindung“ zu ermöglichen. Heute Abend sitzen wir erst mal bei einer Tasse Tee in der neugestalteten Aussichtsecke des Wohnzimmers zusammen. Bereits im Winter hatte Anne Gerd mit Sohn Marius den Umbau ihres Hauses begonnen. Die Terasse bekam eine breite Glastür als Zugang und zwei große bodentiefe Fenster daneben, so daß man nicht nur eine herrliche Aussicht auf den See hinter dem Haus, sondern auch den Blick über Svolvaer in die Abendsonne genießen kann. Zum Draußensitzen ist es heute leider zu kalt, aber vielleicht ergibt sich an einem der nächsten Tage mal die Gelegenheit zum Freiluft-Essen…
Wir haben wieder „Julia‘s Room“ bekommen, der am Ende des Hauses liegt und besonders ruhig ist. Leider ist bei der Hausrenovierung im Frühjahr der gemütliche Charme dieses Zimmers etwas verloren gegangen und nun kühler Sachlichkeit gewichen. Trotzdem schlafen wir sehr schnell ein.

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Hafen von Svolvær

 

Montag, 31. Mai

Ich liebe dieses Frühstück mit frisch gebrühtem Kaffee und selbstgebackenem Brot, manchmal gibt‘s sogar handgemachte Marmelade. Dazu kommt eine Aussicht vom Eßbereich, die einfach herrlich ist. Da bleibe ich Melanie zuliebe auch gerne mal etwas länger sitzen, was mir sonst wegen der Hummeln in meinem Hintern immer relativ schwer fällt. Heute nehme ich einfach eine weitere Tasse Kaffee und versuche mich an der Lektüre der „Lofotposten“, der lokalen Zeitung. Anne Gerd bringt derweil Melanie die ersten norwegischen Vokabeln bei, und so beginnt der Tag recht entspannt.
Richtig anstrengen müssen wir uns heute nicht, denn ich habe vor, mit meiner Liebsten die Tagestour mit dem Hurtigruten-Postschiff zu unternehmen. Dieses Mal in einer „extended version“. Bedeutet: wir nehmen einen Bus eher, um kurz vor 10 Uhr, und fahren dann eine Station weiter als sonst, also bis Sortland. Dort hat man immer noch eine knappe Stunde Zeit, bis die Hurtigruten im Hafen anlegt und kann ein wenig durch die belebte Einkaufsstraße dieses kleinen Regionalzentrums mit seinen schicken blau bemalten Häusern schlendern. Wir kaufen ein paar Ansichtskarten, die wir auf dem Schiff schreiben wollen (wegen des Poststempels), und decken uns noch mit etwas Obst für die Rückfahrt ein.
Gegen 13 Uhr legt die M/S „Midnatsol“ am Kai an. Ich habe extra dieses Schiff ausgesucht, weil ich meine Liebste für eine Rundreise damit gewinnen will. Da nimmt man doch besser ein neues Gerät mit allem Pi-Pa-Po wie dieses hier, als eine olle Ranzkiste wie z.B. die „Vesteralen“, wo man doch deutliche Abstriche am Komfort in Kauf nehmen muß. Da sollte man bereits bei der Buchung der Reise aufpassen, denn die Preise sind für alle Schiffe gleich, aber das gebotene Niveau unterscheidet sich doch erheblich! Wir gehen an Board und erkunden erst mal die Lage der Restaurants. Das große am Heck ist den Passagieren vorbehalten, die eine Kabine an Bord haben, aber in der Mitte gibt es eine Cafeteria mit „public viewing“, das heißt: Tisch mit Aussicht. Wir setzen uns zu einem älteren deutschen Ehepaar und unterhalten uns bei gebratenem Dorsch über ihre Reiseerfahrungen auf dem Postschiff. So vergeht die Teilstrecke nach Stokmarknes wie im Flug. Was einserseits schade ist, da ich vom Restaurant aus nicht so viel sehen kann wie an Deck, andererseits auch wieder nicht, da es wegen des Regens eh nicht allzu viel zu sehen gibt. Tiefhängende graue Wolken auf der Backbordseite verhindern den Blick zur Bergkette der Lofotenwand.
In Stokmarknes angekommen, stürmen viele Passagiere sofort ins Hurtigruten-Museum, das sich direkt gegenüber der Anlegestelle befindet. Melanie und ich verabschieden uns von unseren Tischnachbarn und gehen aufs Aussichtsdeck, um uns die Umgebung anzusehen. Dort kommen wir mit dem Kapitän und dem L.I. ins Gespräch. Bedauerlicherweise wird meine Frage nach einer möglichen Brückenbesichtigung im nächsten Streckenabschnitt verneint. Obwohl sich der Kapitän über unser Interesse am Schiff und seiner Arbeit freut, ist es dennoch aus Sicherheitsgründen nicht möglich, während der Raftsundpassage das Kommandozentrum der „Midnatsol“ zu besuchen. In diesem Teil der Route wird nämlich der Kahn von Hand gelenkt, da soll jede Ablenkung und mögliche Störung durch Besucher vermieden werden. Das sehe ich ein und bekomme vom L.I. noch den Tip, nächstes Mal gleich beim Boarding in Sortland an der Rezeption den Wunsch vorzutragen, dann könnte man wohl eher etwas arrangieren…
Unser Gespräch wird durch Musik unterbrochen. An Deck hat sich ein Saxophonist aufgebaut, der die an Bord gebliebenen Passagiere mit Easy-Listening-Klängen unterhält. Eine Idee der Reederei, um den Aufenthalt in den Häfen etwas interessanter zu gestalten. Inzwischen hat es wieder angefangen zu regnen. Wir gehen runter in den Aussichtssalon am Bug und suchen uns einen tollen Platz in der Galerie, etwas erhöht. Auf der „Midnatsol“ und ihrem Schwesterschiff „Trollfjord“ geht dieser Salon über zwei Decks. Unten sieht man zwar auch ganz gut, aber dort sind leider viele der guten Plätze reserviert. Wie in Mallorca am Pool, bloß mit Jacken und Büchern statt mit Handtüchern. Ich fasse es nicht! Waren bestimmt deutsche Gäste. Wir finden einen Tisch ganz vorne am Geländer, quasi einen Logenplatz. Melanie beginnt schon mal mit dem Kartenschreiben, während ich aus dem Bistro hinter dem Salon zwei Kaffee holen gehe.
Trotz der guten Plätze sehen wir auf dem ersten Teil der Weiterreise nach Svolvaer nicht allzu viel, denn der Regen ist mittlerweile richtig stark geworden. Teilweise mischt sich sogar Hagel darunter. Nach dem Passieren der Raftsundbrücke gehe ich mit Melanie wieder an Deck. Auch hier gibt es geschützte Stellen, und man kann es sich auf den überall herumstehenden Liegestühlen mit einer dicken Wolldecke bequem machen. Das tun wir dann auch für eine Weile und sehen das Ufer des Raftsund durch einen grauen Schleier an uns vorbeiziehen. Kurz vor Digermulen laufen wir nach vorne. Der Regen hat nachgelassen, und wir erleben die Fahrt in den Trollfjord von sehr exquisiten Stehplätzen am Bug des Schiffes. Auch hier hat sich die Reederei wieder etwas zur Passagierbelustigung einfallen lassen. Einige Angestellte werden zusammen mit den Teilnehmern der „Seeadler-Safari“ eine halbe Stunde vor der Einfahrt in den Trollfjord ausgebootet und bewerfen nun, als Trolle verkleidet, vom Ufer aus das Schiff mit Steinen, rennen und schreien wild herum und haben sichtlich eine Menge Spaß an ihrem Job. Daß es wieder angefangen hat zu regnen, und das nicht zu knapp, scheint keinen der Trollmitarbeiter zu stören. Oder doch, und sie schreien sich den Frust über das Schietwetter aus der Seele. Nach dem Verlassen des Raftsundes beruhigt sich das Wetter wieder ein wenig, und so können wir draußen an Deck die Aussicht auf tolle Licht- und Schattenspiele am Himmel genießen. Zwischendurch rufen wir unsere Kinder an, die sich mit Oma und Opa ein paar schöne Urlaubstage am Bodensee machen. Bei der Ankunft in Svolvaer schaut schon wieder die Sonne raus und beschert uns einen beachtlichen Regenbogen über dem Hafen. Nach dem Abendessen werten wir gemeinsam mit Anne Gerd und den australischen Gästen, deren Anzahl sich inzwischen verdoppelt hat, den Tag aus. Auch Elizabeth ist zu Besuch und kann ihre Englischkenntnisse anbringen.

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Spiegelung im Hafen von Svolvær

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