Lofoten 2011

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am Ofotfjorden

Ich freue mich rie­sig. Etwas, was ich mit mei­nem Vater in 38 Jahren nie geschafft habe, werde ich jetzt mit Johannes schon nach 6 Jahren tun: einen Papa-Sohn-Urlaub. Coole Jungs-Dinge machen, keine Mädels dabei, die nicht mehr lau­fen kön­nen oder wol­len, und viel Zeit für die Pflege unse­res Verhältnisses.

Donnerstag 28. Juli

Der Abschied in Frankfurt am Check-In fällt erwar­tungs­ge­mäß schwer. Gerade Johannes scheint gerade ein wenig daran zu zwei­feln, ob es eine gute Idee war, mit mir alleine auf Reisen so weit weg von zu Hause zu gehen. Paula weint kurz, und auch Melanie hat einen Augenblick lang feuchte Augen, als wir hin­ter der Glastür Richtung Flugsteig ver­schwin­den. Immerhin läßt sich Jo recht schnell aus sei­ner gedrück­ten Abschiedsstimmung rei­ßen und ablen­ken, als wir die große Glasfront mit Blick aufs Vorfeld des Flughafens errei­chen, wo um diese Uhrzeit reger Betrieb herrscht. Am japa­ni­schen Restaurant „Mosch-Mosch“ neh­men wir schnell noch einen Imbiß zu uns, wäh­rend wir auf das Boarding war­ten. Dieses beginnt fast eine drei­vier­tel Stunde spä­ter als geplant, da der Flieger bereits mit ordent­li­chem Delay ankam und dann auch noch erst mal gründ­lich gerei­nigt wer­den mußte. Die Purserette sorgt für große Heiterkeit unter den deutsch­spra­chi­gen Passagieren, als sie wäh­rend der obli­ga­to­ri­schen Sicherheitseinweisung vor dem Abflug den herz­er­fri­schen­den Satz: „Bei Druckverlust fal­len auto­ma­tisch Sauerstoff-Flaschen aus der Kabinendecke“ von sich gibt und dann für den Rest der Ansage gegen einen Lachanfall ankämp­fen muß.
In Oslo heißt es wie­der mal: het­zen, denn unser Anschlußflug nach Evenes geht schon in knapp einer Stunde. Immerhin schaf­fen wir noch, einen Snack für unter­wegs zu besor­gen, den wir dann in aller Ruhe im Flieger essen kön­nen. Heute hat Norwegian mal wie­der rich­tig tief in die Schrottkiste gegrif­fen und wirk­lich eine der älte­sten noch flug­fä­hi­gen Boeing 737 – 300 her­aus­ge­kramt. Wahrscheinlich haben sie die beson­ders bil­lig irgendwo abge­staubt. Der Flug ver­geht aber sehr schnell, und wir haben dank des schö­nen Wetters tolle Aussichten enroute. In Evenes wird umge­stie­gen auf Mietwagen (nagel­neuer Golf V mit top Ausstattung) und dann direkt nach Narvik wei­ter gefah­ren. Die Strecke dort­hin ist land­schaft­lich sehr reiz­voll – kaum zu glau­ben, daß ich 2009 schon mal hier war, denn damals war alles ver­reg­net und ver­ne­belt, da konnte man von der schö­nen Umgebung nix sehen.
Wie schon zwei Jahre zuvor schla­fen wir wie­der im Norumgaarden B&B, der ehe­ma­li­gen deut­schen Offiziersmesse. Heute bekom­men wir den „Cato-Room“, der mir noch bes­ser gefällt als die Dachwohnung des Zimmermädchens vom letz­ten Aufenthalt. Da wir mor­gen recht zei­tig auf­bre­chen müs­sen, um die gebuchte Fähre von Skutvik nach Svolvær zu erwi­schen, wird das Frühstück im „Kristallsaal“ wohl lei­der aus­fal­len müs­sen. Der Hausherr ver­spricht uns als Ausgleich, Sandwiches, Getränke und etwas fri­sches Obst als Proviant für den näch­sten Morgen im Kühlschrank zu plazieren.
Mittlerweile ist es frü­her Abend, als wir zu einem klei­nen Erkundungsspaziergang durch Narvik auf­bre­chen. Auch bei son­ni­gem Wetter wie heute komme ich nicht umhin, zu sagen, daß mir die Stadt immer wie Bitterfeld auf 68° Nord vor­kommt. Schön ist anders. Aber macht nix – unser Ziel, „Pepe‘s Pizza“ liegt nur wenige Gehminuten von unse­rer Unterkunft ent­fernt. Das Essen ist dürf­tig. Ich habe mit mei­ner Pizza voll ins Klo gegrif­fen, und den Hamburger mit Pommes, den sich Johannes bestellt hat, würde ich zu Hause in Deutschland wie­der zurück­ge­hen las­sen. Umgerechnet 40 Euro für alles, au Backe! Wir machen uns nach dem Essen noch mal auf zu einem klei­nen Stadtrundgang. Das Endziel ist die Talstation der ört­li­chen Seilbahn. Johannes hatte sich im Vorfeld bei der Urlaubsplanung unbe­dingt die­sen Programmpunkt gewünscht. Übrigens der ein­zige Grund für den Umweg über Narvik bei der dies­jäh­ri­gen Anreise.
Die Kabinen der Bahn hal­ten nie wirk­lich an, man muß also quasi bei Schrittgeschwindigkeit rein­sprin­gen, und schon geht‘s los. Die Fahrt endet nach etwa 5 Minuten auf knapp 400m Höhe, wo an der Bergstation eine äußerst hüb­sche Perle als Türöffnerin arbei­tet. Nicht nur sie bie­tet eine prima Aussicht mit ihrem knap­pen rosa Top und den eng­sit­zen­den Jeans, son­dern auch die Umgebung von Narvik samt wol­ken­lo­sem Himmel und tief­ste­hen­der Sonne. Wir knip­sen ein paar Fotos fürs Urlaubsalbum an der Aussichtsplattform, bevor Johannes ein paar Schneefelder wei­ter oben ent­deckt, wo wir natür­lich unbe­dingt hin müs­sen. Er kann‘s kaum fas­sen, Schneeballschlacht bei früh­lings­haf­ten Temperaturen und dann noch eine Rutschpartie auf dem Hosenboden über den verharsch­ten Schnee. Gegen 21:30 fah­ren wir wie­der hin­un­ter ins Tal, wobei uns auf­fällt, daß um diese Zeit noch rich­tig viele Leute in die ent­ge­gen­ge­setzte Richtung unter­wegs sind. Offenbar trifft man sich spät abends auf dem Narvikfjell, um die Mitternachtssonne zu genießen.

Sonnenuntergang auf dem Narvikfjell

 

Freitag, 29. Juli

Aua! 6 Uhr klin­gelt der Wecker. Leider habe ich in dem impo­san­ten, aber viel zu wei­chen Himmelbett schlecht geschla­fen. Ich sage nur: „Design schlägt Funktion“.
Bei der Abfahrt bemerkt Johannes, daß dies „unser erster Ausbruch“ sei. Drei sind‘s ja ins­ge­samt, wenn man Svolvær und Oslo mit­zählt. Kurz vor 7 sind die Straßen noch herr­lich leer, auf der gan­zen andert­halb­stün­di­gen Fahrt bis zur ersten Fährstation kom­men uns nicht mal eine Handvoll Autos ent­ge­gen. Das Wetter ist wie­der sehr ange­nehm – Sonne und ein paar Wolken. Kurz vor dem ersten Zwischenziel sehe ich auf der lin­ken Seite eine Reihe der­ar­tig glatt­ge­schlif­fe­ner Berge, daß mir spon­tan der Ausdruck „polierte Platte“ in den Sinn kommt. In Skarberget müs­sen wir einige Zeit auf die Fähre war­ten, was uns Gelegenheit zu einem zwei­ten Frühstück gibt. Der wei­tere Weg nach der kur­zen Schiffsfahrt führt uns über die Halbinsel Hamarøy, deren Besichtigung mir Anne Gerd aus­drück­lich emp­foh­len hatte. Da wir bis zur Abfahrt unse­rer Lofoten-Fähre noch reich­lich Zeit haben, unter­neh­men wir einen kur­zen Abstecher zum Leuchtturm in Tranøy. Der Ort ist sehr abge­le­gen und bie­tet reich­lich Gelegenheit für aus­ge­dehnte Küstenwanderungen mit Blick auf die Inseln. Da man hier auch über­nach­ten kann, nehme ich Tranøy Fyr in die Liste der näch­sten Reisestationen für die fol­gen­den Jahre auf. Gut, daß wir eine Reservierung für die Fähre von Skutvik nach Svolvær haben. Die Zufahrtsrampe ist rap­pel­voll, aber wir dür­fen die „Fast Lane“ benut­zen und sind Nummer Fünf beim Boarding. Im Restaurant auf der Fähre gibt‘s typi­sches Fast Food, wir ent­schei­den uns für „Wiener Pølse“ und Fanta. Nach dem Essen kann ich Jo zu einer hal­ben Stunde Ausruhzeit über­re­den, kurz vor Erreichen der Insel Skrova muß ich ihn dann wecken, weil er, wie ver­mu­tet, ruck-zuck ein­ge­schla­fen ist.
Viel ver­paßt hätte er aber nicht – der starke Westwind peitscht jede Menge Wolken über die kleine Insel. Es ist unge­müt­lich an Deck, und das Licht taugt nicht zum Fotografieren. Wir blei­ben bis zur Abfahrt drau­ßen und wär­men uns anschlie­ßend noch mal im gemüt­li­chen Salon der Fähre auf. Am Zielhafen ange­kom­men, bege­ben wir uns schnur­stracks zu Anne Gerds Haus. Niemand ist da, und einige der Zimmer sind belegt, also dre­hen wir wie­der um und fah­ren run­ter ins Stadtzentrum. Auweia, ist das voll! Alle (und damit meine ich wirk­lich alle) Parkplätze im Zentrum sind von Wohnmobilen und Touristenfahrzeugen aus aller Herren Länder belegt, uns bleibt nur das Ausweichen auf das Hafengelände. Das habe ich noch nie erlebt. Der Marktplatz ist vol­ler Menschen, und ich frage mich, ob hier gleich irgend­eine Demo statt­fin­den soll, so dicht gedrängt, wie die Leute hier teil­weise ste­hen. Im Augenblick halte ich es für sehr frag­lich, ob ich noch mal in der Hauptsaison hier­her komme.
Wir gehen zum Kai, wo gerade zwei RIB‘s für eine Trollfjord-Safari start­klar gemacht wer­den. Beeindruckende Startperformance. Auch Johannes ist begei­stert. Weniger ange­tan jedoch ist er von mei­ner Bitte, sein Urlaubsgeld nicht gleich im ersten Souvenirshop, an dem wir vor­bei­kom­men, zu ver­bal­lern. Schade – eigent­lich hatte er sich das genau so vor­ge­stellt. Wir dis­ku­tie­ren ein wenig hin und her, und mir gelingt es, ihn zu über­zeu­gen, sich alles erst mal in Ruhe anzu­schauen und sich zu mer­ken, was er gerne nach Hause mit­neh­men möchte.
Wir fah­ren zurück zum Haus, zie­hen uns um und machen uns auf zu einer klei­nen Nachmittagswanderung. Zwischen Svolvær und Kabelvåg befin­det sich nicht nur der rela­tiv „eckige“ Berg Tjeldbergtind, son­dern auch sein klei­ner Bruder „Linken“ – ein wenig fla­cher, run­der und somit das ideale Ziel für eine kurze Tour. Jo freut sich, daß er end­lich seine neuen Wanderstöcke aus­pro­bie­ren kann, läuft toll mit und klet­tert mit Begeisterung auf den Felsen herum. Auch vom Linken hat man eine gute Aussicht auf die Stadt, und ich schieße die ersten Bilder. Auf dem Rückweg erhal­ten wir einen Anruf von Anne Gerd, die uns mit­teilt, daß sie jetzt zu Hause ist und sich über unsere Teilnahme an einem gemein­sa­men Abendessen mit zweien ihrer Kinder freuen würde. Die ver­blei­bende Stunde nut­zen wir für einen kur­zen Abstecher zur Mole am Hafen. Uns bleibt sogar noch etwas Zeit, um vom Aussichtsfelsen, der sich in unmit­tel­ba­rer Nähe unse­res Hauses befin­det, die Ankunft des süd­ge­hen­den Postschiffs zu beobachten.
Anne Gerds Kinder Julia und Marius sind ein paar Tage bei ihrer Mom zu Besuch. Julia, die in der Nähe von Trondheim in einer Blockhütte im Wald lebt und dort Teile ihrer Studienzeit ver­bringt, hat Elchfleisch mit­ge­bracht, das gerade im Ofen schmort, als wir ankom­men. Riecht lecker. Wir machen uns gleich nütz­lich und gehen in den Garten, Erdbeeren für den Nachtisch pflücken. Das Diner besteht aus Blumenkohlsuppe, Elchfleisch mit Sahnesoße und Reis sowie fri­schen Erd- und Blaubeeren auf Joghurt. Dieses Jahr habe ich wie­der ein Foto als Gastgeschenk mit­ge­bracht. Weil das schon daheim in unse­rem Bad eine Wand ver­schö­nert, habe ich das Bild „Steine am Strand von Myrland“ aus­ge­sucht, schwarz­weiß auf Leinwand. Sieht cool aus und kommt gut an. Anne Gerd ist sofort ange­tan von Johannes. Nach dem Abendessen tut sie ihm einen Riesengefallen und holt vom Speicher einen gewal­ti­gen Sack voll mit Lego-Kram. Alles noch Sachen ihrer eige­nen Kinder, die die Gelegenheit nut­zen und gleich mal mit darin her­um­wüh­len. Marius baut für Johannes die Teile eines klei­nen Flughafens zusam­men und macht sich spä­ter auch noch an das Piratenschiff. Julia betrach­tet der­weil ver­son­nen ein paar kleine Blechautos, mit denen sie schon als Kind öfter gespielt haben mag…
Da Johnny auf der Fähre geschla­fen hat und – auch auf­grund der unge­wohn­ten Helligkeit – noch nicht müde ist, fah­ren wir noch mal run­ter zur Mole und begrü­ßen das zweite (nord­ge­hende) Postschiff bei sei­nem Einlaufen in den Hafen. Johannes ver­sucht, den alten Kahn in einem Wettrennen zu schla­gen, weil das Schiff von wei­tem doch recht lang­sam schien, muß aber erken­nen, daß er sich auch gegen die über 50 Jahre alte Technik der MS „Lofoten“ nicht durch­set­zen kann. Zurück bei Anne Gerd, las­sen wir den Abend einer Flasche Wein aus­klin­gen, wäh­rend Jo selig mit dem Berg Lego spielt, der im Wohnzimmer aus­ge­brei­tet liegt. Ich sor­tiere noch kurz die ersten Fotos aus, aber gegen elf gehen wir dann beide ins Bett.

Henrikfjellet bei Skarberget

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