Wintertour 2010

Kurztour auf die Lofoten, mit Traumwetter und Polarlicht

13 Feb 2010 Wintertour 2010

Montag, 16. Februar

 

Der Unterschied zum Sommer ist unter anderem der, daß man in aller Ruhe ausschlafen kann, weil die Sonne erst relativ spät herauskommt und man selbst um zehn Uhr vormittags noch das schöne Licht hat. Wir frühstücken in aller Ruhe, bevor wir gegen elf Uhr aufbrechen.
< Heute nehmen wir Kurs auf das Raftsund-Gebiet. Das Wetter ist wieder super. Wer behauptet eigentlich, daß es hier zu dieser Jahreszeit immer neblig ist? Wieder erwarten uns unterwegs tolle Winterlandschaften. Wir dürfen uns über viele Seeadler freuen und treffen auch auf Elchspuren. Aber leider läßt sich heute kein Elch leibhaftig blicken. >
Ich folge, kurz vor Digermulen, einer dieser Spuren bis zum Ufer des Raftsund. Und wieder einmal bekomme ich vorgeführt, wie genial die Natur zuweilen ist. Während der gemeine Elch mit seinen breiten Füßen höchstens 10-15 cm im Schnee einsackt, versinke ich bei dem Versuch, in seinen Spuren zu laufen, des Öfteren bis zur Taille und bekomme allmählich nasse Hosen. Unten am Wasser genieße ich eine Zeitlang noch den Ausblick, den auch der Elch hatte, nehme ein paar Panoramen auf und wate wieder zur Straße zurück.
Etwas weiter treffen wir am Wegesrand auf die Stelle, wo wir 2008 mit Holger und Andreas zu nächtlicher Stunde auf die Einfahrt der Hurtigruten in den Trollfjord gewartet haben. Sven und ich beschließen, den kleinen Hügel hochzukraxeln. Aber heute ist Vorsicht geboten, da das Gelände sehr zerklüftet ist und man jederzeit in eine durch Schnee nahezu perfekt getarnte Felsspalte abrutschen könnte. Auf der Rückfahrt bekommen wir die Nachmittagssonne ab, die den Raftsund in goldenes Licht taucht. Nach etwa einer halben Stunde ist das Schauspiel aber auch schon wieder vorbei, und dann versinkt dieser Meeresarm im Schatten.
< Heute Abend kocht Anne Gerd ein typisches Lofoten-Essen. Kabeljau. Dazu gibt es gekochten Rogen sowie als Beilagen Kartoffeln und gedünstete Möhren. Eingeladen sind auch unsere alten Freunde Elizabeth und Jan Erik. Außerdem ist Anne Gerds Sohn Marius zu Besuch. Chicken und ich haben Wein gekauft, und so wird es natürlich wieder ein sehr lustiger Abend. Jan Erik gibt ein paar Taucheranekdoten zum Besten, und besonders Elizabeth sorgt mit einem Mix aus Norwegisch, Spanisch, Englisch, einigen Fetzen Deutsch und einer gehörigen Portion Mimik und Gestik für großartige Unterhaltung! Wie uns Anne Gerds Freundin berichtet, wollen offensichtlich auch Andreas und Holger im nächsten Sommer noch mal auf die Lofoten reisen, und Chicken und ich sagen zu, daß wir dann ebenfalls versuchen werden, wieder dabei zu sein. >
Marius lädt uns ein, ihn in seinem Haus in Lappland zu besuchen, das er kürzlich für wenig Geld mit einem Kumpel zusammen gekauft hat. In der Gegend könne man im Winter schöne Touren mit dem Schneemobil unternehmen, erzählt er und läßt etwas versteckt durchblicken, daß wir, wenn wir denn mal da sind, sicher auch ganz tolle Fotos von seiner Villa Kunterbunt machen könnten. Ich gebe ihm, quasi als Appetizer, eins der beiden Panorama-Poster von Reine mit, von denen ich das andere Anne Gerd als Gastgeschenk mitgebracht habe.
Wir verlassen die lustige Runde um 22:30 Uhr wegen der abendlichen Lichtshow. Heute versuchen wir im Süden, auf der Insel Gimsøya, unser Glück. Die liebliche Kirche dort, mittlerweile renoviert, wird nachts angestrahlt, was in Natura toll aussieht, aber leider auf den Fotos überhaupt nicht rüberkommt. Als wir an der Westküste entlang fahren, dreht plötzlich das Polarlicht so richtig auf. Nach den Erfahrungen mit den stark überbelichteten Bildern von gestern meiden wir den Ort Vinje und biegen dort in Richtung Inselmitte ab, wo sich ein Naturschutzgebiet mit wenig Vegetation und noch weniger Streulicht befindet. Nach etwa zwei Kilometern haben wir eine perfekte Stelle gefunden. Ein paar Sträucher geben den Vordergrund, der Schnee reflektiert das Nordlicht, und am Horizont sieht man den rötlichen Schein einer Wolke, angestrahlt von den Lichtern des Ortes Kvalnes auf Vestvågøya. Und wie bestellt bleibt eine Aurora für einige Minuten fast bewegungslos stehen. Ich bin schwer begeistert.
In einer kurzen Dunkelpause packen wir unsere Sachen zusammen und fahren weiter nach Henningsvær, das wir schon von weitem erkennen können. Aber ganz bis hin kommen wir nicht, denn inzwischen hat das Leuchtspektakel erneut begonnen und zaubert eine atemberaubende Atmosphäre.
In Henningsvær fahren wir bis zum Leuchtturm am Ende des Ortes und bauen uns auf einem Hügel zwischen den Stockfischgestellen auf. Ein Funkmast auf einer Halbinsel nebenan gibt ein tolles Motiv ab, und das kleine Seezeichen sorgt mit seinem Licht für beinahe weihnachtliche Stimmung auf dem Foto. Und wieder hat sich die Ausfahrt gelohnt.