Lofoten 2008

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MS ‘Kong Harald’ läuft Svolvær an

Montag, 12. Mai

Na also, geht doch!
Rückblende 2006: Gepäck in Düsseldorf hängengeblieben, in Oslo deshalb den Anschlußflug verpaßt, Laune temporär im Eimer. Diesmal nichts von alldem. Guter Start in Frankfurt mit überraschend freundlichem Personal am Check-in. Vielleicht hat Fraport doch ein paar Euro für Mitarbeiterschulung statt Dividende verbraten. Traumhaft ruhiger Flug mit Lufthansa 3132. In Oslo angekommen, fährt mein Gepäck (vollständig) schon auf dem Band spazieren, was meine These von 2006 stützt, daß hier nach Renommee der Airline abgefertigt wird. Der Anschlußflug nach Bodø ist voll ausgebucht. Kurz vor der Landung erste Zipfelberge und schon tolles Licht. Ich bin schwer begeistert.
Wie bereits vor zwei Jahren geben sich die Lofoten bedeckt. Erst kurz vor Svolvær sieht man die Inseln aus den Wolken ragen. Ein putziger Wohncontainer stellt das Terminal des Mini-Flughafens dar. Sehr entspannte Atmosphäre, geradezu familiär. Kalt isses. Hier liegt noch Schnee bei nur 2°C, und das im Mai.
Im B&B werden wir von Irmhild begrüßt, die unsere eigentliche Wirtin vertritt. Ein kurzes Warm-Up mit selbst geerntetem Pfefferminztee, dann geht’s schon wieder los: die Stadt erkunden und noch etwas trinken. Mittlerweile setzt starker Schneefall ein, und so beschließen wir, in einer Bar namens „Bacalao“ am Hafen einzukehren. Hier verkehrt junges Publikum. Während Sven und ich gemütlich unsere ersten Caipis trinken, proben am Nebentisch ein paar junge Mädels eine Tanznummer, die sie einige Tage später in der Kantine ihrer Highschool aufführen sollen. Dies, so erklären uns Anne, Stine und ihre Freundinnen, ist dabei nur eine von 68 „Russe“-Aufgaben, die die Schüler im Rahmen der Vorbereitung auf ihren Schulabschluß erfüllen müssen. Mittlerweile ist es kurz nach Mitternacht, aber dunkel wird es heute nicht mehr. Als dann kurz das Schneetreiben aussetzt, und nachdem wir mittlerweile etwa hundertmal „Wannabe“ von den Spice Girls gehört haben, verabschieden sich Sven und ich von der „Svolvær Dance Company“ und gehen heim.

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Henningsvær

 

Dienstag, 13. Mai

Um 8:30 Uhr klingelt der Wecker. Ich habe in „Julia‘s Room“ trotz der Lichtverhältnisse sensationell gut geschlafen und fühle mich richtig fit.
Beim Frühstück lernen wir Andreas und Holger kennen, die uns gestern noch als älteres Ehepaar aus Deutschland angekündigt wurden. Kurz vor dem Essen revidiert Irmhild in verschwörerischem Tonfall dann noch schnell den Status der Beziehung der beiden: „Na gut – sie sind ein Paar…“. Wir verstehen uns auf Anhieb gut, was sicher auch daran liegt, daß beide aus Berlin kommen und somit per se eine recht große Lockerheit mitbringen. Auf meine Frage, was sie denn heute vorhaben, antwortet Holger: „Shopping!“ Mit derart gespielt tuntigem Gebaren, daß ich mir das Lachen nicht verkneifen kann. „Bedingt durch die Lage und Anzahl der Geschäfte könnt Ihr diesen Programmpunkt in etwa einer halben Stunde abhaken.“ gebe ich zu bedenken. Jetzt lachen Holger und Andreas, und das Eis ist gebrochen. Es kommt sofort gute Stimmung am Tisch auf.
Sven und ich begeben uns zum Hafen und nehmen dort bei „Auto Lofoten“ unseren Mietwagen in Empfang. Ein ziemlich abgeranzter Citroën Xantia – aber für etwas mehr als 30 Euro am Tag kann man wirklich nicht meckern. Das Wetter ist wunderbar sonnig, und wir fahren erst mal ohne festes Ziel nach Süden. Nach etwa 10 Kilometern liegt direkt neben der Straße nach Henningsvær die traumhafte Rørvika-Bucht. Kristallklares, blaues bis türkisfarbenes Wasser; der malerische weiße Sandstrand wird an beiden Seiten von einigen Felsen eingerahmt. Und in der Ferne als perfekter Kontrast dazu die schneebedeckten Berge. Hier muß ich einen Fotostop einlegen!
Ich habe mir für diesen Urlaub die Kamera meines Kollegen Robert ausgeliehen, die neben einem Vollformat-Sensor auch noch eine bessere Bildqualität als meine eigene bietet. Leider passiert mir hier gleich am ersten Tag ein Malheur. Die Halterung meines neuen Stativkopfes erweist sich als ziemlich hakelig, so daß mir die Kamera gleich beim ersten Lösen vom Stativ in den Kies fällt. Aber nix passiert – nur ein kleiner Kratzer auf der Rückseite. Jetzt erst fällt mir auf, daß an der Kamera der Riemen fehlt, mit dem man sich das Gerät um den Hals hängen kann. So kann das nicht bleiben. Am nächsten Tag statte ich gleich als Erstes dem einzigen Fotoladen von Svolvær einen Besuch ab, um einen Trageriemen für die Kamera zu kaufen. Leider gibt es nur noch Bänder mit Nikon-Aufdruck. Ein optischer Downgrade meiner Profi-Hardware. Peinlich – aber ich habe keine Wahl. Noch mal soll mir die gute EOS 5D nicht herunterfallen.
Wir fahren noch etwas weiter und stellen dann das Auto am Straßenrand ab, um die letzten 6 Kilometer nach Henningsvær zu wandern. Einen richtigen Weg gibt es nicht, weshalb wir teilweise an der Straße und teilweise direkt an der felsigen Küste entlang laufen. Hier bieten sich auch gleich wieder einige schöne Fotomotive, gerade bei gutem Wetter ist die Aussicht spitze. Das kleine Fischerdorf Henningsvær wirkt schon von weitem recht verschlafen, und der erste Eindruck täuscht nicht. Wie schon 2006 stelle ich wieder fest, daß das „Venedig der Lofoten“ seine besten Tage lange hinter sich hat. Noch ein paar mehr verfallene Häuser als beim letzten Mal, nur noch zwei aktive Fischereibetriebe. Der Rest der Einwohner verdient sein Geld wohl mit dem Tourismus. Aber nicht mit uns. Wir sind 2 Wochen zu früh. Saisonstart ist für viele Gastronomen und Hoteliers erst Ende Mai oder Anfang Juni, frühestens jedoch nach dem Nationalfeiertag am 17. Mai – aber selbst der liegt noch einige Tage in der Zukunft. Wir suchen eine Möglichkeit, etwas Warmes zum Mittag zu essen, aber außer einem (sehr netten) Café namens „Lysstoperie“ hat heute nur das Brygge-Hotel am Hafen geöffnet. Viel Auswahl gibt es nicht: wir entscheiden uns für eine Stockfischsuppe. Fischsoljanka für 20 Euro pro Person, da muß selbst ich kurz mal zucken. Aber egal, ist ja Urlaub. Außerdem macht die exzellente Lage des Hotels direkt am Wasser die eher durchschnittliche Suppe wieder wett.
Frisch gestärkt treten wird den Rückweg an. Das Wetter wird spürbar schlechter. Regen, Schneeregen und Schnee sind bis zum Auto unsere ständigen Begleiter. Aber unsere gute Laune lassen wir uns trotzdem nicht verderben. Wir fahren nach Brenna, einem kleinen Dorf am Gimsøystraumen, und erkunden ein wenig die Gegend. Von hier aus gehen laut Wanderführer einige schöne Touren los. Aber dazu haben wir keine richtige Lust mehr und beschränken uns auf ein paar Fotos der Kirche in Gimsøya. Auf dem Rückweg sehen wir draußen auf dem Vestfjord die M/S „Finnmarken“ mit Kurs auf Svolvær. Also wird mit Vollgas nach Hause und im Rallye-Tempo durch die Gewerbegebiete am Hafen gerast. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir die Mole, um das Einlaufen des Postschiffes aufs Foto zu bekommen.
Abendessen kochen wir heute selbst, Steak mit Kartoffelecken, Pfannengemüse und Whiskeysauce. Anschließend steigen wir noch mal ins Auto und umrunden einmal unsere Insel. Ich habe mir nach den Angaben aus dem Reiseführer eine Route ins Navi programmiert, die uns an den schönsten Stellen vorbeiführen soll. Bereits kurz nach der Abfahrt ein Kracher: Die Kirche von Sildpolnes am Austnesfjord. Weil ich keine 08/15-Fotos vom neu errichteten Aussichtspunkt haben will, schlage ich mich mit Sven durch Sumpfwiesen und Gestrüpp bis hinunter ans Ufer durch. Anstrengend, aber lohnenswert. Wenig später werden wir eindrucksvoll daran erinnert, daß wir uns weit nördlich des Polarkreises aufhalten. Im Tal von Sandsletta liegt noch Schnee, mindestens 2-3 cm. Die Zufahrt ist durch eine Schranke gesperrt. Weiterfahrt auf eigene Gefahr. Die nächsten Kilometer geht es nur langsam voran, aber bald stoßen wir wieder auf die geräumte Hauptstraße nach Svolvær, auf der wir dann mit Vollgas dem Endziel des heutigen Abends entgegen fahren. Einem Feierabendbier im Café „Bacalao“.

Muschelfarm im Sløverfjorden

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