LR-Tutorial Landschaft

Schärfen & Rauschentfernung

Obwohl diese Arbeitsschritte eigentlich in die Kategorie “Grundlagen” fallen, wende ich sie immer erst am Ende der Bildbearbeitung an. Mitunter sind sie auch gar nicht notwendig, wenn z.B. das Foto schon im Original sehr knackig war und weiteres Schärfen zu Artefakten führen würde. Oder wenn – beim Fotografieren mit niedrigen ISO-Werten – gar kein Rauschen im Bild auftritt. Aber hier werden wir beides anwenden. Beginnen wir zunächst mit dem Rauschen.
Hier in diesem Bild sind – bedingt durch die Aufhellung um 1,5 EV – in den dunklen Partien etwas Farbrauschen sichtbar geworden, zu erkennen an den bunten Flecken in den Bergen rund um die Kirchturmspitze und auf dem Kirchendach. Zugegeben: man muß schon sehr genau hinschauen, um das Rauschen in diesem Foto ausmachen zu können. Gehen wir mal in die Sektion Details. Hier tragen wir unter Rauschreduzierung folgende Werte ein: Farbe 50, Details 50 und Glättung 100. Besonders der letzte Regler bügelt die großen bunten Farbkleckse weg. Die anderen Regler sind wie folgt eingestellt: Luminanz 10, Details 50 und Kontrast 50. Den Regler für Radius lasse ich fast immer auf dem Standardwert.
Als letztes noch die Schärfung. Hier gilt: nicht übertreiben, sonst gibt es Halos (heller Schein) rund um Objektkanten. Setzen wir mal folgende Regler: Betrag 40, Details 40 und Maskieren 20. Wenn man den Regler Maskieren bei gedrückter ALT-Taste verändert, sieht man eine Art Röntgenbild, mit dem man die Wirkung dieser Maske und die Schärfe gut beurteilen kann. Der Details-Regler bringt hier übrigens fast immer den größten Effekt. Rumspielen ist angesagt…

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Hier muß man wieder sehr genau hinschauen, um den Unterschied sehen zu können. Links von der Kirche sind bei den Bergen die bunten Artefakte weg, ansonsten hat sich kaum was getan. Ein sehr gutes Tutorial, wie die einzelnen Regler des Rauschreduktions-Moduls in Lightroom wirken findet man, wenn man folgende Begriffe zusammen googelt: Docma Spiegel Lightroom Rauschen

 

Finish mit Photoshop

Das war’s eigentlich. Die meisten Fotos belasse ich in diesem Zustand. Für meine Homepage, für Fotobücher und größere Wandfotos folgt jetzt noch ein klein wenig “Nachpolieren” mit Photoshop. Zum Einsatz kommen zwei Plugins und ein Script, letzteres jedoch nur bei Fotos fürs Internet. Das ganze habe ich in (durch lange Test-Sessions optimierte) Aktionen zusammengefaßt, damit ich möglichst schnell damit fertig werde. Die Links zu den aufgeführten Tools finden sich auf der Technikseite.
Den Anfang macht das Plugin Contrast Master, das durch sehr gut steuerbare Kontrast-Steuerung in verschiedenen Tonwertbereichen von einer leichten Anhebung bis zu einem HDR-ähnlichen Effekt alle möglichen Looks erzielt. Ich betreibe dieses Plugin fast ausschließlich im Anfänger-Modus und stelle oben rechts im Reiter Mix alle 3 Werte auf 15. Das wars schon.
Danach folgt ein Tool der Perfect Effects von OnOne Software. Der Filter heißt “Lord of the Rings”, zeichnet Lichter und Schatten weich und sorgt für einen leichten Überstrahlungs-Effekt (Glow) in den ganz hellen Tonwertbereichen. Standardmäßig wird dieser Filter mit seinen Default-Settings auf eine neue Ebene angewendet, deren Deckkraft ich hinterher auf 40 – 50 % einstelle. Jetzt alle Ebenen auf eine reduzieren für den letzten Schritt.
Hier kommt das Schärfungsskript von Andreas Resch zum Einsatz. Ein ausführliches Tutorial dazu findet man auf seiner Homepage. Ich lasse die meisten Werte im original Zustand und ändere lediglich die Deckkraft der Einstellungsebenen “Aufhellen” und “Abdunkeln” von 33 auf 50 %. Wenn mir die Sättigung des Bildes noch nicht zusagt, kann diese jetzt eingestellt werden (unterste Ebene anwählen). Bei Fotos mit sehr vielen Details, wie hier z.B. beim Gras, wende ich vor dem Exportieren noch den photoshop-eigenen Filter Weichzeichnen auf die unterste Ebene (Originalbild) an, sonst läßt sich das Foto als JPG später nicht so gut komprimieren. Der Export aus Photoshop erfolgt allerdings im TIF-Format. Warum?
Zum Speichern für das Internet (JPG oder PNG) gibt es ein tolles Freeware-Tool namens RIOT, mit dem man für jedes Foto das optimale Verhältnis zwischen Qualität und Kompressionstärke einstellen kann. Hilfreich ist hier der 1:1 Vergleich zwischen Originalbild und dem komprimierten Endprodukt, dessen Qualität man in Echtzeit anpassen kann. Ein Batch-Betrieb ist ebenfalls möglich. RIOT erfordert ein wenig manuelles Tuning, aber die Dateigößen werden von keinem der gängigen Vollautomatik-Tools, wie z.B. JPEGMini, erreicht. Und schon gar nicht von Photoshop!

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Jetzt sind wir fertig. Ob die letzten beiden Schritte noch sein müßten, ist Geschmackssache. Hier wurden dem Himmel noch ein paar Details spendiert und das Gras noch ein wenig aufgehellt. Den ersten Effekt bekäme man auch per Verlaufsfilter mit einem positiven Klarheit- und Kontrastwert hin, vielleicht sogar besser mit einem Pinsel, da wir mit den Bergen eine klar definierte Kante haben, an der sich die automatische Maskierung orientieren kann. Das hellere Gras wiederum ließe sich entweder mit einem Aufhellen-Verlaufsfilter (oder Korrekturpinsel), alternativ mit der Luminanzanpassung für Gelb- bzw. Grüntöne erreichen.

 

RAW-File als Download (DNG-Format)

RAW-File (DNG, 19 MB)

Hier ist das Ausgangsbild zum Selber-Basteln. Zum Download Rechtsklick aufs Foto und Speichern unter… wählen.
Eigentlich ist es kein ‘echtes’ RAW-Bild mehr, weil es schon im DNG-Format vorliegt. Lightroom arbeitet flüssiger damit, und es entfallen die XMP-Sidecar-Files. Wenn Ihr nach dem Import schon die vollständig bearbeitete Version seht, dann setzt die Entwicklungseinstellungen per Rechtsklick-Menü zurück. Alternativ dazu ruft Ihr im F7-Panel des Entwickeln-Moduls entweder das Protokoll auf und klickt dort auf den obersten Schritt, oder Ihr sucht Euch im selben Panel einen passenden Schnappschuß heraus. Möglicherweise sind aber sowohl Protokoll als auch die Schnappschuß-Liste leer.

 

Das war das kleine Tutorial zum Thema Landschaft. Vielleicht kommt demnächst noch ein zweiter Teil über die Nachbearbeitung von Portraits mit Lightroom. Hier werde ich auch immer mal wieder gefragt, wie man mit wenig aufwand etwas mehr aus dem Ausgangsmaterial herausholen kann. In den nächsten Tagen werde ich dieses Tutorial noch einmal dahingehend überprüfen, welche Änderungen von Lightroom 6 man hier sinnvollerweise noch mit einarbeiten könnte. Der DeHaze-Filter und die erweiterten Bearbeitungsmöglichkeiten mit dem Pinsel im Verlaufsfilter-Werkzeug könnten noch eine sichtbare Veränderung bringen.

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