01 Okt 2012 Lofoten 2012
Donnerstag, 13. September
Heute ist Halbzeit. Wir haben schon einiges gesehen und erlebt, und wenn das Wetter mitspielt (was es zumindest morgen allerdings erst mal nicht tun soll), dann können wir vielleicht noch einige Wanderungen unternehmen. Morgen besuchen wir wegen des angekündigten Regens das Wikingermuseum in Borg, und der Rest des Tages geht vermutlich für Relaxen oder Shopping drauf. Oder noch etwas Kultur – einige Kirchen harren noch sehnsüchtig ihrer Besichtigung. Aber zurück zum heutigen Tag:
Hier fühlt sich der Vadder wie zu Hause. Seine Worte lauten „wie im deutschen Mittelgebirge“, was sich wohl auf die moderate Steigung dieses Wanderweges bezieht, nachdem vorgestern der Kaisermarsch doch ganz schön steil war.
Die heutige Tour rund um den Hagskaret beginnt unweit von Anne Gerds Haus, nur ein paar Kilometer die Straße hoch und dann auf den Berg hinauf, den man von ihrem Eßzimmer aus sehen kann. Oben angekommen, bietet sich einem ein herrlicher Rundblick über die Lofoten, den Vestfjord und zum Festland. Unser Haus ist nicht zu sehen, das liegt hinter einem Huckel. Was man auf dem Foto auch nicht sehen kann, ist der einsetzende Regen, der uns dazu bewegt, eine mehr oder weniger Querfeldein-Wanderung direkt zurück zur Unterkunft zu versuchen. Allerdings verliert sich nach etwa einer halben Stunde Gehzeit der Weg im dichten Birkengestrüpp, und ein Weiterkommen scheint unmöglich. Zudem verschlechtert sich die Sicht in der Regenwolke erheblich – bis hin zu „complete IMC“. Also korrigieren wir unseren Fehler, stapfen zurück und damit wieder bergauf und erreichen nach nach einiger Zeit wieder den Gipfel. Immerhin scheint jetzt wieder die Sonne, und der Wind bläst unsere Sachen trocken. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt unserer Wanderung wird es dann so richtig toll herbstlich, die gesamte Vegetation entlang unserer Strecke strahlt in herrlichstem Gelb, Orange und Rot. Immer wieder muß ich zum Fotografieren anhalten.
Nach dem Aufwärmen und einem kleinen Mittagssnack im Haus geht es mit dem Auto an die Westküste unserer Insel. Hier liegt unter anderem der Strand Haukland, ein breiter schöner Sandstrand mit leider etwas zu kaltem Wasser. Mittlerweile verdichten sich die Wolken auch wieder, und so muß ich meine Fotosession mit den sehr geduldigen Steinen abbrechen und wieder ins Auto steigen. Der Papa soll ja nun nicht ewig allein im Auto warten, denn der sitzt schon seit ein paar Minuten wieder in unserem wohltemperierten Gefährt, während es draußen gerade etwas ungemütlich wird.
Fahren wir also mal auf die andere Seite des „Mannen“, vielleicht ist die Regenwolke nicht ganz so schnell über den Berg wie wir hindurch. Das Bild unten zeigt, welche Ergebnisse mit der heutigen Digital-Foto-Technik auch bei schlechtem Wetter möglich sind. Dies ist der Strand Uttakleiv, den ich bislang immer nur nachts im Sommer besucht habe. Und einmal mit Melanie im Regen tagsüber. Heute kommt auch so einiges an Niederschlag vom Himmel. Aber das sieht man dem Foto nicht an, zumal sich über der Siedlung am Strand gerade ein kleines Wolkenloch gebildet hat und die Häuser in ein schickes Licht taucht.
Mit diesem schönen Anblick geht der Reisetag auch schon so langsam wieder zu Ende. Morgen kommen ein paar englische Gäste, die ich quasi als Stellvertreter für unsere Herbergsmama in Empfang nehmen darf. Ich fühle mich geehrt, zumal ich auch inkasso-berechtigt bin. Dies gibt Anne Gerd die Möglichkeit, noch einen Tag länger auf dem Festland mit ihrer Familie zu verbringen. Am Samstag kommt sie zusammen mit ihrer älteren Tochter und den Enkeln, ihrem Sohn und einem Freund des Hauses wieder hierher. Dann wird’s etwas trubeliger, nicht so (fast gespenstisch) ruhig wie derzeit.