Island 2011

Fototour mit Micha im Süden und Westen der Vulkaninsel

11 Aug 2011 Island 2011

Freitag, 12. August

 

Für den zweiten Tag haben wir uns eine ziemliche Hammertour vorgenommen: 450 km sind es one-way bis zum Gletschersee Jökulsarlon in Südostisland. Unterwegs muß natürlich auch noch der ein oder andere Fotohalt eingelegt werden, denn nach Möglichkeit wollen wir kein gutes Motiv verpassen. Eine Stunde nach der Abfahrt in Reykjavik passieren wir den Seljalandsfoss, eins meiner Lieblingsmotive. Die Stelle wird markiert, denn hier kommen wir heute abend im schönen Licht nochmal vorbei. Vor der Reise habe ich in der Fotocommunity wieder einmal ausgiebig Fotos durchforstet und Locations aufgeschrieben, an denen ich gerne entlang fahren würde.
Unterwegs finden wir ein paar Restbestände isländischen Waldes und nehmen ein touristisches Highlight, den Wasserfall Skogafoss mit, denn man weiß ja nie, ob’s nicht später doch noch regnet. Aber im Augenblick scheint die Sonne, und so bleiben wir einige Zeit hier vor Ort, wo der Fluß auf wirklich beeindruckende Weise in die Tiefe rauscht. Wieder müssen wir uns um Anti-Versupp-Maßnahmen kümmern, denn auch dieser Wasserfall sprüht ordentlich Gischt herum. Ein kurzes Picknick; und dann geht’s weiter. Irgendwo hier in der Nähe muß noch ein gut erhaltenes Flugzeugwrack aus dem zweiten Weltkrieg liegen, das ich gerne fotografieren würde, denn der Kontrast von blankem Aluminiumgerippe auf schwarzem Vulkansand gefiel mir auf Bildern im Internet ungemein. Leider kommt man ohne Geländewagen nicht bis zur Absturzstelle, und so muß das Motiv unabgelichtet bleiben.
Wir passieren den reizvollen Ort Vik í Myrdal. Hier ist es richtig schön. Viele bekannte Island-Fotomotive befinden sich in der näheren Umgebung. Allerdings können wir hier nicht allzulange verweilen, denn wir haben noch mehr als die Hälfte der Strecke vor uns. Mehr als ein kleiner Tankstopp und ein Snack im Bistro ist nicht drin. Aber sollte ich noch mal nach Island kommen, ist Vik definitiv mit auf meiner Reiseroute. Auf dem weiteren Weg wehen immer wieder dichte Wolken aus Vulkanasche über die Straße. Kein Wunder, denn vor 3 Wochen ist der Grimsvötn ausgebrochen und hat sich noch immer nicht ganz beruhigt. Man kann die Rauchschwaden gut erkennen, der Vulkan selbst jedoch bleibt verborgen in den Weiten des Vatnajöküll.
Der Jökulsarlon ist schon ein echter Knaller. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich richtige Eisberge. Kleine zwar nur, aber ich bin trotzdem begeistert. Langsam treiben sie von der Abbruchkante des Vatnajöküll, Europas größtem Gletscher, Richtung Meer. Dazwischen schwimmen immer mal wieder ein paar Seehunde herum, aber näher als 10 Meter trauen sie sich nicht ans Ufer heran. Heute ist es leider bewölkt und ziemlich stürmisch, so daß wir unseren Aufenthalt nach ca. 1,5 Stunden schon wieder abbrechen müssen, um nicht komplett durchnäßt die Heimreise anzutreten.
Auf dem Rückweg finden wir mit der Lagune des Svinafjell-Gletschers noch ein adäquates Motiv, das wir ausgiebig ablichten. Aber es drängt die Zeit, denn laut meiner Recherche müssen wir’s bis 21 Uhr zum sehr fotogenen Seljalandsfoss schaffen, um diesen tollen Wasserfall noch im schönen Licht zu erwischen. Ich trete also ordentlich aufs Gas und werde, an einer der vermutlich einsamsten Stellen der Ringstraße, gelasert. 120 km/h, wo 90 erlaubt sind, macht 300 Euro, durch Sofortzahlung mit Kreditkarte bekommen wir 25% Rabatt. Hat sich gelohnt. Für den Polizisten jedenfalls. Der lächelt entspannt: “It’s always the Germans that are the fastest drivers.” Klar, darum stellen wir ja den aktuellen Formel-1-Weltmeister. Von nix kommt nix. Bloß gut, daß der Herr Beamte heute Morgen noch keine Schicht hatte, als wir – mit Micha am Steuer – dieselbe Stelle mit 160 km/h passiert haben. Vermutlich würde ich jetzt noch die Strafe in kleinen Raten abzahlen müssen. Uns bleibt wegen der nicht unerheblichen Erleichterung der Reisekasse und der späten Heimkehr nach Reykjavik wieder nur der karge Mitternachtssnack an der 24/7 Tankstelle. Die kennen uns noch von gestern…