11 Aug 2011 Island 2011
Fünf Tage Fototour durch Island. Zur besten Reisezeit im August. Mit dabei mein bester Kumpel Micha, Johannes’ Patenonkel. Wir haben uns ein straffes Programm vorgenommen. Von Reykjavik aus wollen wir die fotografischen Highlights im Süden und Westen der Insel besichtigen. Ich freue mich schon ewig wie Bolle drauf.
Wir fliegen mit Icelandair von Berlin-Schönefeld nach Keflavik. 300 Euro für hin und zurück sind ein echtes Schnäppchen. Da können wir bei der Unterkunft etwas mehr ausgeben und wohnen während unseres Aufenthaltes in Island im “Hilton Reykjavik Nordica”, einem modernen Stadthotel im skandinavischen Stil. Unser Zimmer hat eine phantastische Aussicht auf die Stadt und die Berge im Norden. Das Zentrum von Reykjavik erreicht man in 20 Minuten zu Fuß.
Donnerstag, 11. August
Am ersten Tag steht die “Golden-Circle-Tour” in einer extended Version auf dem Programm. Glücklicherweise spielt das Wetter mit, und so können wir den Geysir Stokkur, den Gullfoss und die Ausläufer des Langjöküll bei blauem Himmel mit einigen kleinen Wolken fotografieren. Mein Stativ mit Fernauslöser macht sich bezahlt.
Damit auch die Bildung nicht zu kurz kommt, besichtigen wir das Thermalkraftwerk Hellisheiðarvirkjun, etwa 20 Kilometer östlich von Reykjavik. Dieses versorgt die Region um die isländische Hauptstadt nicht nur mit Strom, sondern gleich auch noch mit Warmwasser. Wir lassen uns auf einer kleinen Führung mit einem der Ingenieure die Arbeitsweise zeigen und können einen Blick in die Turbinenhalle werfen. Ganz stolz verkündet unser Führer, daß die Anlage ein deutsches Fabrikat ist. Das Beste vom Besten also. Da schwillt uns gleich die Brust an. Und draußen vor der Tür dann auch direkt noch die Nase: Mein lieber Mann, riecht das hier penetrant nach faulen Eiern! Ein Nebeneffekt der geothermischen Energiegewinnung, an den wir uns direkt gewöhnen sollten, denn der heiße Dampf, der hier in Island an allen möglichen Stellen aus der Erde austritt, enthält eine nicht unerhebliche Menge Schwefelwasserstoff.
Das coolste Feature des Kraftwerks ist ein Raum, den ich mal als „Boom Room“ bezeichnen würde – ein Erdbebensimulator. Ein Zimmer mit leicht vibrierender Bodenplatte und ansonsten vollgestopft bis unter die Decke mit Subwoofern. Man wählt an einer Infotafel eine Erdbebenstärke seiner Wahl, drückt den Action-Button und genießt das dumpfe Grollen, das daraufhin den Raum durchdringt. Als Preset abgespeichert sind die Top Ten der stärksten Erdbeben der Geschichte. Und da sind sie: alle Klassiker, die der versierte Kenner nicht missen möchte – das große Beben von San Francisco aus dem Jahre 1906, das Seebeben im indischen Ozean vor Sumatra vom 26. Dezember 2004 (löste den Tsunami aus, dessen Fernsehbilder uns noch lebhaft im Gedächtnis präsent sind), noch mal eins aus der Region mit dem Ausbruch des Krakatau 1883 und schließlich an der Spitze das Erdbeben von Valdivia (Chile) von 1964 mit einer Stärke von 9,5 auf der Richterskala. Das rumst ganz schön. Letztlich dient die ganze Installation der anschaulichen Erklärung über die Folgen der Verschiebung von Erdplatten, auf deren zwei die Insel Island liegt. Nämlich auf der eurasischen und der nordamerikanischen Platte, die pro Jahr etwa 3 Zentimeter – und das ist großes Glück für die Isländer – auseinander driften.
Weiter geht die Fahrt entlang der Ringstraße Richtung Osten, vorbei an einigen größeren Gewächshauskomplexen, wo – dank der günstigen Versorgung mit Fernwärme und Energie aus dem Kraftwerk von eben – allerlei Gemüse und Obst angebaut werden können, die man normalerweise auf diesem Breitengrad nicht antreffen würde.
Der nächste Streckenabschnitt führt uns vorbei am, zumindest von weitem ziemlich langweiligen, Nationalpark Þingvellir (der komische Buchstabe am Anfang wird wie das englische „Th“ gesprochen). Den lassen wir also links liegen und halten etwas später an der Straße, weil dort auf den Feldern riesige Rollen aus mit Plastik ummantelten Strohballen herumliegen. Das gibt ein paar gute Motive ab, und so halten wir uns hier etwas länger als ursprünglich beabsichtigt auf.
Überall – meine Tochter Paula würde schier ausflippen – sieht man Islandpferde in mehr oder weniger freier Wildbahn herumlaufen. Mittlerweile gibt es davon in Deutschland mehr als in ihrer ursprünglichen Heimat. Allerdings sind die meisten hier recht scheu und nehmen Reißaus, wenn wir uns den Weiden nähern. Feiglinge!
Am Geysir Stokkur ist es recht voll. Ganze Buskarawanen fahren hier am Parkplatz vor und entladen Massen von Touristen. Aber dank meines Statives kann ich am Stokkur ganz nach vorne zur Absperrung gehen und es dort in den heißen Abfluß des Geysirs stellen, wo ich mit Fernauslöser sehr entspannt einige Reihenaufnahmen des Ausbruchs machen kann. Beim Gullfoss das gleiche Bild. Myriaden an Sehenswürdigkeiten-Abklapperern kommen hier vorbei. Uns immer direkt auf den Fersen: eine Jeep-Safari mit lauter lauten Italienern drauf. Wir können sie jedoch wenige Kilometer vor dem Wasserfall überholen und gewinnen wertvolle Minuten, um Fotos ohne allzu viele störende Menschen aufzunehmen. Ich muß nur aufpassen, daß a) mir die Gischt des Wasserfalls nicht die Objektive total versuppt und b) ich bei der Suche nach dem optimalen Standort nicht zu nah an die Kante der Schlucht gerate, in die der Gullfoss stürzt. Denn sonst war’s das. Da kommt man kaum lebend raus. Alles geht gut, und die Bilder sind auch ganz brauchbar.
