Lightroom 6 – erste Eindrücke


weitere Funktionen

Lightroom mobile (“umfassende Geräteunterstützung”, “Austauschen und Präsentieren”, “Die richtigen Tools für jede Story”)

Ein Hinweis: Ich benutze diese Funktion nicht, weil ich kein wie auch immer geartetes Abo der Creative Cloud will.
Ob man die Synchronisation mit Mobilgeräten sinnvoll nutzen kann? Ich fände es durchaus reizvoll, Pausen auf der Arbeit dafür zu verwenden, auf dem Tablet neue Bilder zu sortieren, mit Stichwörtern zu versehen und so weiter. Der limitierende Faktor hierbei sind das Display und der freie Speicher des Tablets sowie die Geschwindigkeit der Übertragung vom PC zum Mobilgerät und zurück.
Ich habe dazu mal einen kleinen Katalog von 150 Dateien mit Smart-Previews, aber ohne die verfügbaren Vorschaudateien und ohne die originalen Raw-Files erstellt. Diese Zusammenstellung entspricht dem, was Lightroom an seinen mobilen kleinen Bruder senden würde. Die Menge der zu übertragenden Daten beträgt knappe 240 Megabyte. So weit, so gut. Allerdings haben die in die Smart Previews eingebetteten Vorschauen nur eine Größe von 256 x 170 Pixeln. Das heißt, daß Lightroom mobile auf dem Tablet für eine brauchbare Darstellung auch noch eigene Vorschaubilder mindestens in der nativen Displaygröße desselben erstellen muß. Bei Full-HD-Auflösung kommen da noch einmal ca. 500 KB pro Bild, in meinem Beispielkatalog also weitere 75 Megabyte, hinzu. Summa summarum also etwas über 300 – macht pro Foto also Pi-mal-Daumen etwa 2 Megabyte an Speicher, der auf dem Tablet frei sein muß.
Noch drei Zahlen zum Nachdenken: Full HD entspricht 2,138 Mio Pixeln, die das Display darstellen, für die also eine Vorschau gerendert werden muß. Beim aktuellen iPad Air 2 sind es schon 3,145 Mio und beim Samsung Galaxy Tab 10.5 (das wäre mein Favorit) ganze 4,096 Millionen Pixel. Die Vorschauen werden größer und der erforderliche freie Speicherplatz natürlich auch. Und: ich habe kaum Importvorgänge mit nur 150 neuen Fotos. Normal ist mindestens das Doppelte, nach Fotoreisen kaum unter 3.000 neue Fotos (Ausgangsbilder für Panoramen und HDR-Aufnahmen inklusive). Viel Spaß beim Synchronisieren! Fazit: Features für Mobilgeräte? Für mich kein Kaufgrund.

fesselnde Diashows

Ich habe mir dieses Modul angesehen, als das ein neues Feature bei Lightroom 2 war. Ab Version 4 haben mich sowohl Bedienung als auch die Qualität der Ergebnisse nicht mehr vom Hocker gehauen. Für mich eine überflüssige Komponente von Lightroom – und damit sind alle Neuerungen in diesem Modul als Kaufgrund irrelevant.

erweiterte Webgalerien

Auweia!
Benutze ich normalerweise auch nie, weil ich die Galerien für sämtliche von mir betreute Webseiten mit WordPress-Plugins erstelle. Außerdem waren mir die HTML-Vorlagen schon immer ein wenig zu altbacken. Und neue Templates gab es seit Version 3 (also seit 5 Jahren) auch keine mehr. Jetzt sind wieder ein paar zeitgemäßere Galerie-Layouts dazu gekommen, die ich für diesen Artikel einmal ausprobieren wollte.
Leider bringen sämtliche Versuche, auch nur 10 ausgewählte Bilder zu einer dieser neuen Galerien zu verwursten, Lightroom jedes Mal zum Absturz. Manchmal bekomme ich nach dem Neustart der Software die Galerie angezeigt, aber spätestens das Hinzufügen neuer Bilder oder gar der Wechsel auf eine der beiden anderen neuen Vorlagen läßt Lightroom komplett einfrieren. Bestenfalls bleibt der Vorschaubereich schwarz, aber das ist ja auch nicht der beabsichtigte Effekt, oder?
Fazit: derzeit unbrauchbar und obendrein überflüssig


vorläufiges Fazit

So, die neuen Features haben wir damit weitgehend abgearbeitet. Unter dem Strich bleibt: zu wenig Neues, um das Upgrade (zumindest von Version 5) zu rechtfertigen.

Für HDR- und Panoramafotos habe ich bessere Software, die mehr Einflußmöglichkeiten auf das Ergebnis zuläßt und mit ein klein wenig manuellem Tuning eine deutlich höhere Qualität liefert. Wer aber die Ausgaben für zusätzliche Programme für eben jene eher selten vorkommenden Spezialaufgaben scheut, möge diese beiden neuen Features zu seiner persönlichen “Plus-Liste” hinzufügen.

Generell finde ich die Produktpolitik von Adobe sehr unprofessionell, in Photoshop bereits lange vorhandene Features nach ein paar Jahren an Lightroom weiterzugeben und damit als großer Neuerung zu prahlen. Würde ich auch nur das kleinste CC-Abo, das sogenannte Fotografie – Bundle abschließen, hätte ich diese Funktionen ja sowieso in Photoshop schon enthalten. Und bräuchte das nicht nochmal in Lightroom. Voll daneben!
Insofern läßt mich auch der Hinweis zur Abschreckung, daß neue Funktions-Updates für Lightroom nur Nutzern einer Creative-Cloud-Version (und damit nicht den potentiellen Käufern von Lightroom 6) zur Verfügung gestellt werden, relativ kalt. Selbst die Innovationen in Photoshop hielten sich seit der CC-Einführung in Grenzen – und man kann sich daran ausmalen, welche neuen Funktionen das wohl für Lightroom sein werden.

Echte Neuerungen – Fehlanzeige! Der proklamierte Geschwindigkeitszuwachs ist marginal bis nicht vorhanden. Neue Features sind mitunter noch fehlerbehaftet und nicht effektiv nutzbar. Einige von vielen Nutzern geforderte Funktionen, wie z.B. freie Seitengestaltung im Buch-Modul, haben es nicht in Lightroom 6 geschafft.
Ebenso wäre ein “Remember-last-Setting-per-Tool” für die Retusche-Werkzeuge im Develop-Modul sinnvoll. Ein Beispiel: wenn ich in einem Portrait eine Vignette mit dem Radial-Filter und dem Preset “Abdunkeln” zum Hervorheben des Gesichtes angewendet habe, möchte ich als nächstes üblicherweise mit dem Korrekturpinsel die Augen aufhellen. Leider merkt sich Lightroom aber das letzte Setting werkzeugübergreifend und hat jetzt deshalb wieder “Abdunkeln” vorgewählt. Ich möchte aber, daß es sich merkt, welches Preset ich zuletzt bei der Anwendung des Pinsels benutzt habe und nicht das Setting von einem irgendeinem anderen Tool. Am besten mit einem knackigen Keyboard-Shortcut, da stehe ich drauf.
Schön wäre auch, wenn man Module, die man nie benutzt, einfach abschalten könnte. Lightroom reduziert auf eine richtig flotte “Core-Version”, bestehend aus den Modulen “Bibliothek” und “Entwickeln” – das wäre was. Alles andere könnte man per Zusatzmodul-Manager dazu wählen. Liebe Adobe-Leute: Hier ließe sich doch bestimmt noch der ein oder andere Euro verdienen. “Du willst ein Buch erstellen? Kaufe das Buch-Modul für nur 19 Tacken.” Besser noch: “Miete das Buch-Modul für 2 Euro pro Monat.” Aber auf so was kommen die Marketing-Strategen früher oder später sicher auch von selbst.

Die ganze Entwicklung geht meines Erachtens weg vom auch für Profis geeigneten Werkzeug hin zu “Lightroom Elements” – einer eierlegenden Wollmilchsau, die nichts richtig gut kann, aber dafür vielleicht ‘casual user’ als neue Zielgruppe im Visier hat. Wofür die dann allerdings Photoshop im Bundle brauchen, erschließt sich mir nicht. Spätestens bei der “Pet-Eye”-Funktion (um Gottes Willen!) hatte ich das Gefühl, daß Adobes und meine Anforderungen an ein Bildbearbeitungsprogramm nicht mehr die gleichen sind und sich unsere Wege vielleicht demnächst trennen werden. Ich lasse Lightroom 6 allerdings noch eine Weile auf meinem Hauptrechner drauf – auch weil ich sehen will, was nach Ablauf der 30 Tage passiert, in denen ich die Testversion von Lightroom mobile (und damit einen Teil der Creative Cloud) theoretisch nutzen könnte. Gibt es bis dahin keine Ankündigung einer Version 6.1, die die schlimmsten Bugs beseitigt und vom Entwicklerteam überflüssigerweise herausgekegelte Funktionen (wie das Einfügen von Develop Presets über das Rechtsklick-Kontextmenü im Bibliotheksmodul) wieder einbaut, sattle ich vorläufig wieder um – auf mein solides, wenngleich recht gemächliches Arbeitspferd namens Lightroom 5.

Sehr wahrscheinlich werde ich in den nächsten Tagen mal bei Phase One vorbeischauen und mir die Testversion von Capture One pro herunterladen. Weniger vollgestopft mit Mumpitz-Funktionen und reduziert auf das Wesentliche: qualitativ hochwertige RAW-Entwicklung. Das scheint mir eher dem professionelleren Anspruch zu genügen. Ich hatte schon mal eine Trial-Version 7, bei der mir allerdings die Farben bei Entwicklung mit default Settings zu sehr in die falsche Richtung gingen. Aber vielleicht ha sich dort was getan. Das herauszufinden wird alle Mal spannender, als über fehlende Verbesserungen beim Lightroom 6 – Update zu weinen…

Liebe Kollegen, wer von Euch Lightroom 5 benutzt, sollte dabei bleiben. Allen, die eine ältere Version besitzen, würde ich derzeit eher das Upgrade auf LR 5 empfehlen, so lange es bei Online-Händlern noch die boxed Version als Restbestände gibt. Und spätestens, wenn Phase One ein Tool zum Importieren von LR-Katalogen anbietet*, dann hält mich kaum noch etwas im Adobe-Universum – auf der dunklen Seite der Macht 🙂


* Update 28. April: Wie ich gestern Abend gelernt habe, gibt es die Möglichkeit, in Capture One pro Lightroom-Kataloge direkt zu importieren und damit einen gewissen Teil seiner Anpassungen an den einzelnen Fotos mit hinüberzunehmen. Da bei der Verwendung von DNG-Files die in Lightroom vorgenommenen Änderungen teilweise direkt in den Datei-Header geschrieben werden, könnte die zu erwartende Mehrarbeit beim Anpassen der Einstellungen möglicherweise geringer ausfallen als anfangs erwartet. Also werde ich probeweise mal für meinen kompletten Katalog die “Metadaten in Dateien speichern” – so heißt nämlich diese, über das Rechtsklick-Kontextmenü erreichbare Funktion. Alternativ ausführbar mit dem Tastaturkürzel [Strg]-[S].

Update 30. April: Ich bin zurück auf Lightroom 5.7.1 gewechselt. Das läuft im Ganzen flüssiger als Version 6, egal ob das mit oder ohne Grafikbeschleunigung aktiv war. Nur für den (verbugten) Korrekturpinsel für die Verlaufsfilter-Tools lohnte sich der Wechsel nicht. Außerdem kann ich jetzt für Kollegen wieder kompatible LR-5-Kataloge exportieren.

Update 18. Juni: Vorsicht! Heute erschien unter anderem das Update 6.1 für Lightroom. Leider installiert sich damit auch der Desktop-Manager der Creative Cloud, der sich auch prompt mit 3-4 permanent laufenden Prozessen ins System einklinkt. Das führt u.a. zu Schwierigkeiten beim Herunterfahren des PCs. Und bei einer Aktualisierung von Lightroom ist natürlich der große blaue Update-Button, auf den der eilige User als erstes drücken würde, das Update auf CC 2015, das heißt: hier soll mir direkt wieder ein Abo untergejubelt werden. Die eigentliche Aktualisierung ist ein ganz kleiner Text-Link unter dem großen blauen Button. Geht’s noch???
Das fiese Creative-Cloud-Tool läßt sich aber auch dann nicht einfach wieder deinstallieren, wenn man LR 6 von der Platte geputzt hat. Ich habe noch eine Creative Suite 6 installiert, die früher nie diesen CC-Kram brauchte, aber jetzt angeblich auf einmal! So nicht, liebe Adobe-People!!! Also habe ich eben alle Adobe-Programme von meinem Rechner wieder runter gehauen, dann das CC-Removal Tool ausgeführt und anschließend nochmals manuell Ordner und Registry bereinigt. Bei mir kommt Lightroom 6 jedenfalls nicht mehr auf den Rechner – es sei denn, ich werde eines Tages wegen eines absoluten Killer-Features schwach. Aber noch ist das nicht in Sicht. De-Haze und lokale Weiß- und Schwarzpunkt-Anpassungen überzeugen micht jedenfalls nicht.


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