Lightroom 6 – erste Eindrücke


Lightroom 6 ist da. Die gute Nachricht: Man kann es noch regu­lär kau­fen und muß sich nicht mit einem Abo der Creative Cloud für ewig an Adobe ver­skla­ven, obwohl auf allen offi­zi­el­len Webseiten diese Möglichkeit der Software-Nutzung natür­lich pro­mi­nen­ter pla­ziert wird. Aber dar­über will ich gar nicht schrei­ben, son­dern nur mei­nen Arbeitskollegen, denen ich bis­lang noch jede frü­here Lightroom-Version mit gera­dezu mis­sio­na­ri­schem Eifer ans Herz gelegt habe, einen kur­zen Überblick bie­ten, ob sich der Kauf bzw. das Upgrade von einer älte­ren Version lohnt.

Installation & Aktivierung

Wichtiger Hinweis vorab: Ihr braucht unbe­dingt eine 64-bit-Version Eures Betriebssystems, sonst läuft die Software nicht. So, jetzt aber:
Den „Kaufen”-Link muß man auf Adobe’s Lightroom Produktseite lange suchen. Heute Abend z.B. gibt es ihn gar nicht mehr direkt, son­dern nur noch über den klei­nen „Produkte”-Link ganz unten links. Auf der näch­sten Seite fin­det man dann in der Liste Lightroom 6 mit einer Kaufoption. Das Upgrade von einer belie­bi­gen Vorgängerversion gibt es für knapp 75 €. Nach dem Bezahlen im Shop, für den man übri­gens eine Adobe-ID benö­tigt, wird man zur Downloadseite weitergeleitet.
Ich habe vor­sichts­hal­ber meine 5er-Version vor der Installation vom PC ent­fernt. Das LR6-Setup ver­langt am Ende die Eingabe der Seriennummer. Wenn man die Vorgängerversion nicht deinstal­liert, erkennt die Routine ein Upgrade-fähi­ges Produkt, anson­sten muß man den Key sei­ner alten Version manu­ell ein­tra­gen. Jetzt kommt eine Neuerung: Im Gegensatz zu allen älte­ren Versionen ist zur dau­er­haf­ten Benutzung von Lightroom eine Adobe-ID Pflicht, mit der das Programm akti­viert wird. Eine Lizenz erlaubt glück­li­cher­weise die Installation auf zwei Rechnern, die zudem noch aus unter­schied­li­chen Lagern (PC /​ Mac) stam­men dür­fen. Gleich beim ersten Start sollte man den Hinweis ernst neh­men, daß Adobe per Default Daten über die Benutzung des Programms „zur Verbesserung der User Experience” sam­melt und die ent­spre­chende Option in sei­nem Adobe-Konto (=ID) bei näch­ster Gelegenheit gleich abschal­ten. Ebenso habe ich in den Voreinstellungen von Lightroom 6 im Reiter „Lightroom mobile” direkt mal alle Daten gelöscht.
Suspekt ist mir der­zeit noch der Hinweis oben links im F5-Panel (klei­nes wei­ßes Dreieck anklicken), daß ich eine 30-Tage-Testversion von Lightroom mobile am Laufen habe. Bin gespannt, was nach Ablauf die­ser Frist pas­siert und ob nicht doch die eiser­nen Ketten der CC-Sklaverei zuschnappen. 🙂


Neue Features unter der Lupe

Ich nehme mir mal die neuen Funktionen in der Reihenfolge vor, wie sie auf der Lightroom-Produktseite vor­ge­stellt wer­den. Was das Programm kön­nen soll, lest Ihr dort. Hier nur meine Kurzbewertung, was diese Versprechen tau­gen, damit der Text über­sicht­lich bleibt.

Zusammenfügen von HDR-Bildern

Lightroom hat die Photo-Merge-Funktion vom gro­ßen Photoshop prak­tisch 1:1 nach unten durch­ge­reicht bekom­men. Mit einem net­ten Video-Tutorial von Julieanne Kost ist die­ses neue Feature schnell und gut erklärt. Hier gibt es keine gro­ßen Überraschungen. Als Beispiel hier mal ein Foto vom Strand in Haukland. Links die Lightroom-Version, rechts das Ergebnis der von mir bis­lang benutzte Software Photomatix pro 5. Beide benut­zen die­sel­ben Ausgangsbilder.
[twen­tyt­wenty] artikel_lofoten-2011 artikel_video-tests[/​twentytwenty]

Cool finde ich, daß das fer­tige Bild eine DNG-Datei ist, auf die sich all die vie­len schö­nen Bearbeitungsmöglichkeiten, die das RAW-Format bie­tet, anwen­den las­sen. Mir per­sön­lich gefällt nach eini­gen ersten Versuchen der deut­lich natür­li­chere Look von Lightroom bes­ser, wobei mich all­ge­mein die Ergebnisse der HDR-Behandlung noch nie ganz über­zeu­gen konn­ten. Auch hier kommt es gele­gent­lich zu Kanten und Artefakten beim Anti-Ghosting. Mit etwas mehr Zeitaufwand kann ich übri­gens den Look des HDR-Bildes aus dem um eine halbe bis eine Stufe unter­be­lich­te­ten Foto nach­stel­len. Warum soll ich dann also 3 – 5 Dateien plus die kom­bi­nierte Version aufheben?


Gesichtserkennung

Keine super-inno­va­tive Idee, aber brauch­bar umge­setzt. Oh ja, mit die­ser neuen Funktion hatte ich viel Spaß. Seht Euch mal das Titelbild die­ses Beitrags an. Ich hatte bereits mei­nen Dad „getag­ged”, und oben seht Ihr, wel­che Personen oder Dinge nach dem Eindruck des Fratzen-Erkennungs-Algorithmus mei­nem alten Herrn ähn­lich sehen. Diese Funktion ist übri­gens stan­dard­mä­ßig akti­viert, und Lightroom sucht im Hintergrund so lange nach ver­wert­ba­ren Gesichtern (oder was es dafür hält), bis auch das letzte Foto gescannt ist. Auf mei­nem nicht gerade lang­sa­men Rechner (Intel I‑7 mit 6 Kernen @ 4 GHz, 32 GB RAM) und einem Katalog mit 46.000 Bildern hat das volle zwei Tage gedau­ert – gele­gent­li­che Abstürze inbe­grif­fen. Man kann diese Funktion aber auch manu­ell pau­sie­ren. Hier hilft wie­der ein Klick auf das kleine weiße Dreieck im lin­ken Teil des F5-Panels, das durch Hovern mit der Maus über die Erkennungstafel sicht­bar wird. Auch zu die­sem Feature gibt es ein Video-Tutorial von Julieanne Kost.

Allerdings habe ich mir in den ver­gan­ge­nen zwei Tagen immer wie­der die Frage gestellt: Brauche ich diese Funktion?
Die Antwort lau­tet: Nein.
Meist foto­gra­fiere ich ja doch immer die­sel­ben Leute aus unse­rem per­sön­li­chen Umfeld und dem unse­rer Kinder, also sagen wir mal: maxi­mal 40 – 50 Nasen. Da habe ich auch ohne die Personen-Suchfunktion den Überblick. Und wenn ich z.B. mir alle Fotos von mei­nem Sohn Johannes anzei­gen las­sen will, dann komme ich auf etwa 10.000, mit dem zusätz­li­chen Stichwort „Paula” blei­ben immer noch 4.500 übrig. Keine wirk­li­che Hilfe. Ich suche ja meist auch nicht irgend­wel­che Fotos einer bestimm­ten Person, son­dern habe schon einen bestimm­ten Kontext im Sinn.
Ein Beispiel: Vor eini­ger Zeit bat mich eine befreun­dete Mutter um alle Bilder, die ich von ihrer Tochter in einem bestimm­ten Umfeld (Leichtathletik) auf­ge­nom­men habe. Das Zusammenstellen hat keine 2 Minuten gedau­ert, weil bei uns alle Fotos in Ordnern lie­gen, die nach Jahr und dann noch eini­ger­ma­ßen nach Kontext, wie z.B. „Familie” oder „Schule & Vereine” geord­net sind.


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